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Freitag, 26. Dezember 2008

Vierfach vollste Verwirrung

Zunächst einmal entschuldige ich mich für die mangelnde Aktualität des Blogs. Das hat zwei Gründe: 1. strebe ich mittlweile mit großen Schritten den koreanischen "busy"-Grundsätzen nach und 2. wusste ich nicht, wie ich mich über das Ereignis, das in der zeitlichen Reihenfolge dran ist, äúßern sollte. Ich habe mich nun für eine recht allgemeine Darstellung entschieden:
Von Montag, den 15.12. bis Donnerstag, den 18.12. war ich "Kandidate" bei einem Seminar mit dem Namen "Tres Dias", das von der GraceChurch organisiert wird und zu dem ich von ChunSik eingeladen worden bin. Das Ganze hat mich mit diversen theologischen Spitzfindigkeiten bombadiert, denn sowohl der charismatische Stil mit Zugenrede und Umfallen beim Segensgebet als auch die Lehre führte bei mir zu einigen Fragezeichen, die noch der Klärung bedürfen. Ich vermute jedoch, dass einige Missverständnisse auch durch die Übersetzung entstanden sind. Das Seminar war schließlich in Korenisch gehalten und ich hatte meinen ständigen Übersetzer ChunSik, wofür ich sehr dankbar bin, was aber durch akkustische Schwierigkeiten das Zuhörvergnügen etwas minderte.
Als wir Kandidates an dem Seminarhaus zwischen Bergen und Meer aus dem Bus stiegen, wurden wir von spalierstehenden singenden "team members" empfangen, die übers ganze Gesicht strahlten. Diese Liebe im Dienst zog sich durch das ganze Senminar und war für mich das beeindruckenste an allem. Bezeichnent war auch, dass es dreimal mehr Mitarbeitende als Teilnehmer gab(das Bild zeigt fast alle Helfer), die in Küche, Dekoteam, Programmteam undundund ihre Aufgaben fanden, sodass wir Kandidates die ganzen vier Tage über so richtig verwöhnt wurden. So gab es z.B. jede Mahlzeit ein (für Koreaner-.-) überaus leckeres Essen, viele liebevoll bereitete Snacks zwischendurch (wovon ich mich hautsächlich satt gegessen habe^^), massenweise Geschenke (auf meinem Weg nach Hause habe ich im Vergleich zum Hinweg das Doppelte getragen), Wichtel, die über dem Tag die Zimmer aufgeräumt haben und so weiter. Beeindruckend war auch, dass jedes Mal, wenn wir den Raum gewechselt haben, die Mitarbeiter einen Pfad bildeten, indem sie links und rechts standen, saßen oder knieten und beteten. Als das aber laut wurde, geschrieen und in Zungen gebetet wurde, war das für mich Unerfahrene schon eher beängstigend.
Die Liebe zeigte sich im Laufe des Seminars auch noch anders, z.B. in einer Aktion, in der jeder jeden umarmte, vom 73-jährigen Pastor bis zu der Frau, die am Tag vorher noch wegen ihrer Erkältung im Krankenhaus gewesen war. Die Koreaner haben es sichtlich genossen sich dabei gegenseitig 사랑함니다 (=ich liebe dich) zuzurufen und die Mitarbeiter mit den Taschentuchboxen standen bereit.
Die Feier des Abendmahls war im Vergleich zur deutschen Art und Weise betrachtet auch interessant. Alle knieten oder saßen auf Kissen auf dem Boden und beteten, während nach und nach Reihe für Reihe sich anstellte, um bei einem der vier Pastoren am Altar niederzukniehen, sich ein Stück Weißbrot abzubrechen und aus der Karaffe mit dem furchtbaren koreanischen Traubensaft zu trinken. Unter vielen Tränen ging es dann zurück zum Kissen und es wurde weitergebetet.
Zwischendurch gab es Lehreinheiten und Lobpreismusik mit Tanz, der alle begeisterte. Hier wurde gerade eine ältere japanische Pastorenruppe aufgefordert, den eben gelernten Tanz auf der Bühne vorzuführen, nachdem auch ich mit meiner Gruppe auf der Bühne hoppsen durfte ;-):

Das Ganze fand übrigens zu höchst christlichen Zeiten statt: Von 5 Uhr morgens bis 9 Uhr abends.
Obwohl wir am ersten Abend nicht sprechen durften, um uns auf Gott zu konzentrieren (find ich eigentlich gut, aber warum der erste Abend?!), konnte ich doch einige liebe Menschen kennenlernen und neben vielen Fragezeichen und ner Menge Geschenke, zwei neue Freundschaften mitnehmen. Ein schönes Resultat, das allerdings die Durcheinanderschmeißung meines Zeitgefühls und meines Glaubens als Nebenwirkung hatte.

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