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Freitag, 31. Oktober 2008

"special price because you are pretty"

Langsam kann ich mir vorstellen wie sich ein schwarzes Schaf inmitten einer Herde weißer fühlen muss. Von der Haarfarbe her passender wäre allerdings eher ein weißes Schaf unter vielen schwarzen.
In jedem Fall falle ich auf: Egal ob in der U-Bahn, beim Shopping oder in der Gemeinde- ich sehe anders aus. Meine Augen haben mir bereits Vergleiche mit einem See und Barbie bzw anderen Puppen eingebracht.
Meine Auffälligkeit bringt auch durchaus Vorteile: Als ich am Mittwoch Schuhe gekauft habe, bekam ich sie mit dem Kommentar "special price because you are pretty"5.000 Won (ca 3€) billiger. Am Donnerstag wurde ich von einer Frau zum Lunch eingeladen, die mich mal spontan beim Warten auf die U-Bahn angesprochen hat. Durch sie habe ich dann ihren Tanzlehrer, einen preisgekrönten Latino-Paartänzer, kennengelernt und werde demnächst mal bei einer Stunde mitkommen.
In der U-Bahn selbst, in der ich mich ja des öfteren aufhalte, werde ich auch ab und zu angesprochen. Ein mal sogar angeschrieben: Eine junge Frau stand neben mir und hat englische Sätze auf einen Briefumschlag geschrieben, denn sie war besser in Schrift als in Spache ;-).
Aus all diesen Erlebnissen habe ich geschlossen, dass Koreaner einfach sehr ausländerfreundlich und weltoffen sind. Neulich allerdings traf ich einen Amerikaner, der schon 2 Jahre hier lebt und der meinte, Koreaner hätten die meisten Vorurteile gegen Ausländer überhaupt. Zu mir seien sie freundlich, weil ich westlich aussehe und sie etwas von mir wollen wie Sprache lernen oder Kontakt zur westlichen Welt bekommen. Er selbst hat ein hispanisches Aussehen und wies mich außerdem darauf hin, dass es kaum Afrikaner hier gibt. Tatsächlich habe ich noch nicht viele Menschen dunkler Hauptfarbe getroffen, dennoch kann ich aus der Erfahrung keine Ausländerfeindlichkeit oder ähnliches bestätigen und im Vergleich zu dem Rassismus, der in manchen deutschen Kreisen zu finden ist, halte ich Koreaner für sehr weltoffen.
In jedem Fall werde ich jemanden brauchen, der mich ,wenn ich zurück in Deutschland bin, daran erinnert, dass ich nicht mehr special bin und mir nicht mehr so viel zufallen wird. Gibts Freiwillige?

Mittwoch, 29. Oktober 2008

von früh bis spat.

Am Dienstag habe ich mich tasächlich um 4.30Uhr aus dem Bett gequält, um beim morning praise der Caleb Gemeinde dabei sein zu können! Diese Woche war ich sogar beinahe pünktlich und damit früher als die meisten und habe einige Worshipsongs, die Predigt und eine lange offene Gebetszeit auf Koreanisch miterleben dürfen. Dank englischer Bibeltexte hat mich das auch weitergebracht. Anschließend hatte ich beim ersten richtigen Kaffee dieses Tages ein sehr interessantes Gespräch über die Calebgemeinde und allgemein Christentum in Korea.
Als dann alle zur Arbeit mussten, habe ich mich dem Sprachstudium gewidmet und dazu spontan erst allein und dann mit Lehrer schöne Orte entdeckt.
Am Nachmittag und Abend habe ich ich mit zwei Freundinnen von Patmos Myeung-dong unsicher gemacht: Shoppingtour mit anschließendem italienisch (-koreanischem) Dinner und Kaffee. Am Ende waren wir alle drei ziemlich glücklich und die beiden wollen mich öfter sehen. Neben der ganzen Arbeit haben sie solche Aktionen glaube ich schon länger nicht gemacht und verbringen ihre wenige Freizeit zu Haus. An diesem Abend waren sie so glücklich... und ich habe mich sehr gefreut, dass ich nicht nur customer bin, sondern auch hier Menschen Gutes tun kann, einfach indem ich mir Zeit für sie nehme. Gott wirkt auch da durch Menschen, wo sie selbst nichts können könnten. =D

Montag, 27. Oktober 2008

Ich mag keine Ämter. Aber ich mag Geburtstage. Und Chun Sik und Soon Hee! ;-)

"Happy Birthday to you! Happy Birthday to you!"
Ratet, wer heute Geburtstag hatte! Patmos ist 3 Jahre alt geworden!
Das wurde in Skype-Verbindung mit den Büros in Australien und der USA mit einer langen Worshiptime am Morgen gefeiert, bei der jeder zu Wort kam. Auch ich durfte was sagen und, auch wenn ich nicht mehr über das Thema mitbekommen habe als "감사함니다" (Danke) in den Sätzen meiner Vorredner, kamen meine 2 englischen Sätze sehr gut an ;-).
Ansonsten habe ich heute neben der Arbeit einiges über Jugendslang in Korea gelernt und konnte zweien der jüngeren Mitarbeiter in Echt-Sprache mitteilen, dass sie schmuck sind ;-) und Komplimente an die Mädels verteilen.
Der unerfreuliche Teil des Tages war der erneute Besuch das immigration office, denn obwohl Chun Sik seiner Meinung tatsächlich kräftig Ausdruck verleihen konnte, bin ich noch immer nicht offiziell für die ganzen 6 Monate in Korea erwünscht. Doch auch das wird sich mit Gottes Hilfe bald klären, immerhin weiß ich, was ich zu tun habe.

Leider blieb nach diesem Ärgerniss nicht mehr viel Zeit für die Geplante Wanderung im nahen Berg-Park und so blieb es bei einem kurzen Bergaufstieg in der Dämmerung bis man kaum noch sehen konnte, wohin man lief, und dem Anschauen eines traditionell koreanischen Marktes.
Die Gebetszeit mit dem Pastorenehepaar war aber auf jeden Fall noch sehr schön bevor ich mich auf U-Bahn-weg einmal durch ganz Seoul gemacht habe.

Zwischen Zungenrede und Shoppingtour

Mein Sonntag gestaltete sich diese Woche wieder sehr vielfältig.
Zum Gottesdienst ging es diesmal zum ersten Mal ohne deutsche Gruppe wieder in die Calebgemeinde von Sindorim, die wir ja nach Deutschland eingeladen haben. Erstaunlicherweise scheint diese Einladung gar nicht so große Bedeutung für die Gemeinde zu haben, denn kaum jemand wusste davon oder konnte sich erinnern. Das kann aber auch sicherlich am Zeitpunkt des Gottesdienstes liegen, den wir als Gruppe besucht hatten. Zum koreanischen Neujahresfest waren nämlich beide Teile der sonst geteilten Caleb-Gemeinde (Sindorim im Kino und Sinsae im Nightclub) in einem Raum zusammengekommen, da viele bei ihren Familien auf dem Land waren.
Aber auch der Gottesdienst dieses Sonntages war nicht so voll wie koreanisches Verhältnisse es mich gewohnt werden ließen, jedenfalls am Anfang. Pünktlichkeit scheint dort nicht groß geschrieben zu werden.
Trotz allem durfte ich einen schönen Gottesdienst mit beeindruckendem Lobpreis, einer Predigt, die ich nicht verstanden habe, und einer Taufe erleben. Ja -freudig überrascht wurde ich Zeugin einer koreanischen Taufe, die gar nicht so anders ist als deutsche, nur nicht so formal.
Hinterher konnte ich bei der Kleingruppe einer Freundin dabei sein, die für mich extra auf Englisch verlagert wurde und daher entsprechend länger dauerte. Die vermehrte Zeit lag allerding nicht nur an der Sprache, sondern auch an meinen viele Fragen, denn diese 3 Menschen, mit denen ich meine Gedanken teilte, waren höchst spannend. Am Ende sind wir wieder bei einem meiner Derzeitigen Lieblingsfragen angekommen: Die Zungenrede. Das erscheint mir mittlerweile immer unabgespacter.
Trotz der interessanten Antworten, habe ich die Smallgroup nach 1 Stunde verlassen, um mich mit Chun Sik und Soon Hee zu treffen. Es war sehr sehr schön die beiden wieder mal in ihrer Wohnung zu besuchen. Eines der Ergebnisse könnt ihr hier anschauen: http://cafe.daum.net/gnademission/5bcm/42.
Meine anschließende Shoppingtour mit Soon Hee ist zwar in dem Versuch gescheitert einen Mantel für mich zu finden, war aber trotzdem sehr schön.
Dieses Jahr sind Mäntel mit Dreiviertelärmeln modern und wenn eine Jacke offen an mir besser aussah als zugeknöpft, meinten die Verkäuferinnen: Offen lassen. -Haben koreanische Frauen andere Gene als ich? Frieren sie nicht mit kurzen Ärmeln und offenen Jacken bei -10°C??

Samstag, 25. Oktober 2008

Vom organisierten Chaos

Diesen Samstag war Familiensamstag. Mit meiner Gastfamilie habe ich vereinbart, dass wir an 2 Samstagen pro Monat etwas zusammen machen. So war für den heutigen Tag ein Ausflug zu den 3 Autostunden entfernten Bergen mit wunderschöner Herbstlandschaft geplant.
Dachte ich. Als ich gestern abend jedoch nach Hause kam, erfuhr ich, dass die Gasteltern doch noch einen Termin haben und mein Gastbruder und ich zuerst zusammen zu Costco, einem amerikanischen Großmarkt, fahren und sich der Ausflug zu einem landschaftlich ebenso reizvollen Berg in der Nähe Seouls anschließt.
Nach dem Aufstehen wurde der Plan dann aufs neue geändert, denn kurz vor dem Losfahren bemerkten wir, dass bei oben genanntem Großmarkt eine Mitgliedskarte von Nöten ist, die sich zwar im Besitz der Familie befindet, aber höchstwahrscheinlich schon abgelaufen ist. Ich glaube, an dieser Stelle beschloss ich, nicht mehr mitzudenken, sondern einfach abzuwarten, wohin man mich bringt.
So konnte ich mich doch noch eines freien Morgens erfreuen. Zur Mittagszeit gab es zu Hause gemeinsam-getrennten Lunch (meine Gastfamilie hat Fleisch gegessen und ich -Überraschung- Weißbrot) und danach sind wir ins Auto gestiegen, wo wir einige interessant-komplizierte Gespräche hatten. Interessant, weil ich Gespräche mit meiner Gastmutter schätze und weil sie mir Aufschluss über einige ihrer Gedanken über mich und meine Pläne gegeben haben, und kompliziert, weil Sprachbarrieren das ganze unnötig in die Länge getrieben haben.
Als wir aber an dem Berg, auf dem wir spazieren gehen wollten, erreichten, regnete es gerade. Ich habe echt Pech, dass es gerade in diesen Tagen so viel regnet, normalerwiese ist es außerhalb der Regenzeit im Sommer nicht so nass.
Es musste also ein neuer Plan her: Also ab ins Auto und zum Costco!

Dort sind wir dann mit Rieseneinkaufswagen durch die Regale gesaust und haben vergeblich nach Nutella oder entsprechenden Ersatzstoffen gesucht, hatten aber die Freude links und rechts immer mal zu probieren. Von dänischen Keksen über Katusmilch bis zu koreanischer Suppe war alles zu testen... Das war nett. Hat etwas geschmeckt sind mein Gastbruder und ich einfach eine Runde um ein Regal gelaufen und haben ein weiteres Stück "probiert" =D. An der Kasse stellte sich dann heraus, dass die Mitgliedskarte tatsächlich abgelaufen war und so musste eine Mitarbeiterin eine schnelle Lösung schaffen und die Familie wurde kurzerhand neu angemeldet.
Auch die VISA-Karte meiner Gastmutter und meinereiner waren ein Problem, denn die akzeptierten sie nicht. Da natürlich auch keiner so viel Bargeld hatte, musste der Vater schnell zum nächsten Geldautomaten laufen. Als wir dann den Markt verlassen wollten, wurden Waren und Bon gegengeprüft und einer unserer beiden Bons war nicht aufzufinden. Joshua holte Cola, der Vater schaute sich eine Etage höher um und die Mutter rannte los, um die beiden zu suchen, nachdem sie festgestellt hatte, das sie in beiden Taschen ein Handy, ihr Mann aber keines hat. Da stand ich nun mit einem großen Einkaufswagen im koreanischen Gewimmel- und beobachtete.
Im Endeffekt sind wir doch noch einigen Käse reicher und massig Geld ärmer wieder ins Auto gestiegen, um den Weg zum Berg zurück zu nehmen. Dort sind wir ungefähr 200 m vorangekommen bevor der nächste Regenguss auf uns hereinbrach und als ich den Donner hörte, war ich doch ganz froh, dass es nun wieder nach Hause ging. Einige schöne Fotos konnte ich trotzdem machen. Ich finde die Bäume sind hier bunter als in Deutschland:

Freitag, 24. Oktober 2008

Kein Patmostag

...ist einfach nur ein Patmostag.
An diesem Freitag habe ich ein Ehepaar kennengelernt, das seit drei Tagen zu meinen Kollegen zählt. Sie wollen ihr Englisch verbessern und haben dementsprechend viel von sich erzählt, waren aber auch an mir interessiert, was eine gute Mischung ausmacht. Die beiden sind total lieb und open-minded und ziemlich unkoreanisch. Sie mögen den korean style of beeing busy genausowenig wie ich und haben schon 10 Monate in Neu Seeland gelebt. Patmos ist allerdings nur eine Zwischenstation in ihrem Lebenslauf, Ziel ist im Moment eine Missionarsschule auf Hawaii.
Wenn Neue kommen, gehen auch Alte und so haben wir heute 3 Mitarbeiter tränenreich verabschiedet. Es war sehr bewegend dabei zu sein, als für sie gebetet und gesungen wurde.
Danach habe ich einen neuen Versuch gestartet, mich mit warmen Klamotten auszustatten, denn ich friere schon bei 10° am Abend. Im Winter gibts hier bis zu -10°. Ich glaube, da kann ich das Haus nicht verlassen -Patmos hin oder her-, ich würde eh nicht angkommen, weil es sich im eingefrorenen Zustand so schlecht läuft.
Da es sich aber allein und mit Laptop auf dem Rücken so schlecht shoppt, blieb es beim Anschauen der COEX-Mall und einem Dinner bei Meces. Letzteres werd ich aber wohl nicht wiederholen, denn ich bin deutschen Standart gewöhnt. Gibt aber noch genügend interessante Alternativen ;-).

Jump to the Heaven!

Am Donnerstag machte ich mich nach erneut erfolgreich absolvierter Koreanisch- und gegebener Deutschstunde in einem neuen Starbucks (Wow, wenn wir das jedesmal woanders machen, habe ich vielleicht doch die Chance wenigstens ein hundertstel aller Coffee Shops Seouls zu besuchen!) auf den Weg zu einer neuen Entdeckung: Diesmal ging es dazu in die Yoido Full Gospel Church (Genau, die größte Gemeinde Koreas). Mit Hilfe einer wunderbaren Telefonnummer, mit der man Menschen erreicht, die kostenlos alle möglichen Auskünfte über Seoul geben, habe ich einen direkten Bus gefunden und mit Hilfe meines Gehörs bin ich sogar richtig ausgestiegen. Von der Haltestelle aus folgte ich von Zweifeln hin- und hergeworfen einer schwachen Erinnerung an einen vor der deutschen Gruppe herlaufenden Sang Hun und landete schließlich tasächlich am weißen Kreuz, das seine wegweisende Funktion für mich nicht ganz erfüllt hat, denn ich habe es erst gesehn als ich da war. Nächste Hürde: Finde den "Gottesdienstraum Paulus", von dem die schlaue Gela natürlich keinen englischen oder koreanischen Namen rausgesucht hat. Ich war ohnehin schon wieder viel zu spät für den Abendworship, den ich zu erreichen suchte. Als ich allerdings ins Haupthaus trat, um dieses Foto zu machen: ,führte mich mein Weg in etwas viel besseres als einen üblichen Abendworship: Ich betrat den Raum
und es war laut.
Es war auch bunt.
Und es war voller Kinder!

Meine erste Verwirrung überwindend, warf ich einen Blick auf den Flyer in meiner Hand, der am Eingang von einer Frau im Hanbok ebendorthin gedrückt worden war, und fand heraus, dass ich einem Programm namens "Jump to the Heaven" beiwohnte. Nachdem ich mir einen Platz zwischen vielen Menschen mit bunten krachmachenden Dingen gesucht hatte, passierten viele Dinge gleichzeitig: Ich lernte einige Mittelschulmädels kennen, die sich freuten, an mir ihr Englisch auszuprobieren und das Programm auf der Bühne ging weiter. Es gab Tanz zu recht kirchenferner Musik, eine Sängerin, die bei den Teens besonders gut ankam, Lobpreis, Theater und Co. Das absolute Highlight dieses Abends war aber sicherlich der Auftritt von Rev. Yonggi Cho, dem Begründer der koreanischen Erweckung und der Full Gospel Church. Ich hatte das Privileg ihn, seine kurze Predigt und den Personenkult um ihn hautnah mitzuerleben.

Zum Ende hätte ich gern ein Lob für den Rückweg: Ganz alleine habe ich mir den garantiert besten -wenn auch nicht unbedingt kürzesten- Weg mit Bus und u-Bahn nach Hause gebastlet. Ja, seit kurzem traue ich mich auch in Busse und habe mich trotz wenig Englisch auf den Plänen noch nicht verfahren. Ich fange an mich in Seoul recht gut zu orientieren. Ich wohn ja schließlich hier, ne? ;-)