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Samstag, 4. Oktober 2008

Patmos

Ich habe die Ehre verkünden zu dürfen, dass ich eine Aufgabe in dem Verlag für christliche Kinder- und Jugendprogramme habe. In meiner Zeit hier darf ich mich um Material für den Schritt nach Europa kümmern: Ich werde 3 englische Kinderprogramme ins Deutsche übertragen und mich um das Erstellen eines deutschen Flyers über Patmos kümmern, der bis jetzt nur in Koreanisch existiert.
Dabei bin ich völlig frei: Ich kann über meinen Laptop arbeiten wo ich will und es besteht noch keine Zeitvorstellung. Dennoch will ich vor allem in der ersten Zeit zum Arbeiten im Verlagsgebäude sein, um Fragen zu stellen. Außerdem ist das Team so klasse, dass ich ihre Gmeinschaft nicht missen will, schließlich fängt meine Arbeitszeit mit einem gemeinsamen Abend mit allen Mitarbeitern an. Besonders eine -Judy- ist superlieb zu mir, hat mich zu sich eingeladen und will mir wirklich helfen, sie ist super!
Ich bin Gott echt dankbar, dass es jetzt so gekommen ist, schließlich scheint es genau das zu sein, was ich wollte, und entspricht meinen Begabungen. Nur zum Singen der deutschen Lieder muss ich mir noch jemanden suchen, doch auch das ist nicht unbewältigbar, ich hab da schon ein paar Ideen! ;-)

Freitag, 3. Oktober 2008

Die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Korea

Am Freitag, den 26.9., ereilte mich eine Überraschung (was keine Seltenheit ist hier!): Die Klavierlehrerin meines Gastbruders hat 10 Jahre lang in Frankfurth Musik studiert und spricht perfekt Deutsch!Sie ist superlieb und hat sich gefreut mich kennenzulernen. Gleich für Sonntag haben wir uns dann verabredet:

Sie hat mir die deutsche Gemeinde in Seoul gezeigt (zu finden hier: http://www.egds-korea.blogspot.com/). Nach einer knappen Stunde ökumenisch traditionellem Gottesdienst, habe ich mich gewundert, ob es jetzt ne Pause gibt und festgestellt, dass ich schon so an koreanische Gottesdienste gewöhnt bin, dass mir das Ende eindeutig zu schnell kam. Eine Stunde Lobpreiszeit finde ich mittlerweile genau richtig, wir sollten darüber nachdenken das auch bei uns einzuführen!

Danach gab es noch "Kirchenkaffee", in dem ich mich lange mit einem Mädchen deutscher Eltern unterhalten habe, die aber in Korea geboren und aufgewachsen ist. Anschließend habe ich mich ein wenig ins Getümmel gestürtzt, mit Visitenkarten nur so um mich geworfen und einige wertvolle Tips und Kontakte bekommen habe. Alle waren wunderbar freundlich und bemüht mir zu helfen, das war echt lieb!

Was mich begeistert hat: Keiner von den Menschen, die dort sind, ist entweder deutsch oder koreanisch, sondern höchst international. Die meisten Menschen, die im Ausland leben, wechseln das Land öfter mal, entweder aus beruflichen oder aus abenteuerlich privaten Gründen. So kam eine deutsche Familie aus Paris nach Seoul und der Mann konnte grad nicht da sein, denn er war in Boston usw. Das ist kein Einzellfall hier.

Was mich erstaunt hat: Als Deutscher kann man in Seoul komplett in einer eigenen Kultur bleiben. Es gibt die deutsche Schule, die deutsche Gemeinde, deutsche Läden... so kommt es vor, dass man nach einigen Jahren Leben dort trotzdem kein Koreanisch spricht oder sprechen muss.

Where I feel home...

Schnell fühlte es sich an, als sei ich schon ewig hier. Mein Zimmer hier bekommt langsam Bilder an die Wände und erhält meinen Touch schon allein durch die Unordunung, die seit dem Kofferauspacken am Freitag (26.9.) herrscht. Wo ich zu Haus bin, lass ich alles liegen! ;-)
Trotzdem red ich hier auch immer von meinem "home at Germany". Kann man eigentlich zwei Hometowns haben? Obwohl, eigentlich hab ich ja ein Homevillage und eine Hometown... wobei der Ort JukJeon, der eine Vorstadt Seouls ist und in dem ich lebe, bei Koreanern als Dorf bezeichnet wird (es ist größer als Magdeburg, würd ich sagen ;-)).

Trotzdem ist es wie in Wahlitz leben, wenn man eigentlich nach Seoul will: Mit der U-Bahn brauch ich 2 Stunden ins Zentrum... eine sehr lange Zeit, die waschechte Koreaner mit Schlafen überbrücken, was ich mich bei den 3 mal Hin- und Zurückfahren in der Rushhour noch nicht getraut habe. Aber das wird auch bald kommen, ich kenn den Weg schon gut. Übrigens macht es echt Spaß sich den Weg selbst zu suchen, viele Leute zu fragen und sich mal so richtig zu verlaufen, nur um irgendwann richtig froh zu sein das richtige Hochhaus mit der Nummer 101 zu sehen. Mist ist dann nur, wenn keiner Zu Hause ist, um aufzumachen und man erst den Sicherheitsangestellten auf Englisch einstellen muss, damit er die Tür öffnet ;-). Auf dem Bild sieht man in der Mitte das Haus, in dem ich lebe.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Das Geschenk

Pünktlich zum Abflug der anderen am Donnerstag, den 25.09., regnete es in Strömen und wurde kalt. Ein Abschied und einige Tränen später saß ich schon wieder mit Chun-Sik und Sang-Hun in der U-Bahn (beide bleiben noch eine Weile, auch Soon-Hee ist noch hier(zur Erklärung: das ist die koreanische Familie, die in Deutschland lebt und den Austausch ins Leben gerufen hat)). Da meine Gastfamilie glücklicherweise eine Stunde zu spät kam, konnte mir Sang noch einige Sachen über Seoul erklären und auf meiner U-Bahn-karte zeigen, die hier mein Ein und Alles ist. Wer dann kam, waren der Papa und die Oma, diejenigen der Familie, die zwar kaum Englisch sprechen, aber am liebsten und sympathischsten lächeln. Nach einer Stunde erzählen mit Chun-Sik und Soon-Hee, in der ich nicht wusste wohin mit mir, weil ich nichts verstanden habe, gings dann plötzlich los. Im Auto bin ich gleich eingeschlafen und nur zwischendurch aufgewacht, um mitzubekommen wie die Oma durchs Fenster im Stau von jemandem, der mitten auf der Fahrbahn Süßes verkaufte, warmes Gebäck mit roten Bohnen für mich besorgte. Das hat sogar gut geschmeckt.
Zu Haus kam die Überraschung: Meine Gastfamilie hat eine WAND für mich gebaut! Es ist toll! Sie haben gemerkt, dass ich Internet in meinem Zimmer brauche und beschlossen, das ich das Zimmer mit meinem Gastbruder tausche. Das allerdings war nur durch ein großes Regal vom Wohnzimmer getrennt und ich hatte schon ein wenig Angst um meine Privatsphäre, als sie mir ihre Idee mitteilten, aber so bin ich -wenn auch nicht schalldicht, denn es handelt sich um dünnes Holz- blicksicher geschützt. =) Dann musste der Dad wieder zur Arbeit und ich hatte erst mal alleine Zeit zum Ankommen und Schlafen. Abends haben wir noch alle Dinge rausgeräumt, die Joshua (meinem Gastbruder) gehören und jetzt habe ich ein Zimmer, in dem ich mich mittlerweile schon zu Hause fühle.
Noch ein wenig später, gab es einen "Familienworship" mit "Chang yang ha ra" (einem sehr populären Lobpreislied, das wir Deutschen auch gelernt haben), einer Bibelstelle auf Deutsch, Englisch und Koreanisch, einer Zeit für Zeugniserzählungen und Gebet. Letzteres war sehr bewegend für mich, denn der Dad dankte, dass ich hier bin und bat für meinen Aufenthalt.
Als mir schon fast die Augen zufielen, hab ich noch einmal Gastgeschenke verteilt, unter anderem ein Buch über Deutschland, in dem ich einiges gezeigt habe. Die Luthertasche hat Joshua am nächsten Tag mit in die Schule genommen und seine Frunde waren neidisch. Die Familie hat sich jedenfalls gefreut!
Gott hat mir wirklich den besten Start geschenkt, den ich hätte haben können!

Ich mag keine letzten Abende.

gMittwoch, der 24.09., teilte uns wieder in 2 Gruppen: Die einen durften bei koreanischer Sozialarbeit dabei sein und Essen austeilen, während wir anderen bei Patmos in den Genuss eines zweiten Vortages kamen und dabei wunderbare pinke und blaue T-Shirts geschenkt bekamen =).

Das Mittagessen wurde für beide Gruppen ein Festmahl, wobei jede an die jeweils andere dachte und bedauerte, dass sie es wahrscheinlich nicht so gut haben. Doch die Koreaner haben mal wieder für alle von uns voll liebe Einladungen gehabt.

Wiedergetroffen haben wir uns letztendlich nach der Besichtigung des Königspalastes, einer riesigen Anlage mitten in Seoul, in der es sich vor ewiger Zeit die Könige der alten Dynastien gut gehen ließen.
Damit alle möglichst das sehen können, was ihnen noch fehlt, gebs danach wieder ne Trennung: Entweder Touristengegend mit Andenken kaufen oder eine alternativere Shoppinggegend, wo vornehmlich Studenten sind.
Dort war ich in einer Bar, die an Kreativität wohl kaum zu übertreffen war, ich war absolut begeistert und bestimmt nicht zum letzten Mal dort! Alles war weiß und in einer Art Höhlen-Stil gehalten. Man saß mit Kissen auf dem Boden an Holzscheiben bei chilligen Elektrosounds. Licht und Stimmung- alles hat gepasst. Selbst das Klo war individuell, das Wasser zum Händewaschen z.B. kam aus einer langen Rutsche nach unten ins Becken, in dem schöne Steine lagen usw. Da würd ich so gern mit einigen Leuten hin, die jetzt aber nicht hier sind...
Zurück in der Wohnung hat mich durch Packen und Reflektionsrunde zum ersten Mal die Wahrheit eingeholt, dass es ab morgen erst richtig losgeht... aber dann allein. Seltsame Stimmung bei uns, die wir bei einem spontanen nächtlichen Honigmeloneneis gefeiert haben.

Enjoying Seoul...

Dienstag, der 23.09., begann gut: mit lange schlafen.

Gut gings auch weiter, wenn nicht sogar besser: Der Großteil der Gruppe ist zum Shoppen gefahren, während Jule, Anna, Tine und ich zum ersten Mal ohne koreanisch sprechende Begleitung aufgebrochen sind, um die KIAF (Korean International Art Fair) zu sehen. Galerien aus der ganzen Welt haben hier ihre Kunstwerke ausgestellt. Nach 4 Stunden hat mein Kopf zwar ganz schön gebrummt, doch ich habe eine Menge Eindrücke gesammlt. Zum Beispiel:





















Ein wenig Zeit, um für extrem billig tolle Klamotten zu kaufen, haben wir uns aber auch noch genommen, bevor sich die ganze Gruppe für einen Vortrag von Patmos wiedergetroffen hat. Das ist ein Wort, das ihr demnächst öfter lesen dürft, denn es ist ein Verlag, der Material für Kinder- & Jugendarbeit herstellt und bei dem ich in nächster Zeit mitarbeiten darf.

Am Abend haben wir uns noch besonders koreanischen Spaß gehabt: Wir waren in einer Karaokebar! Das macht man hier öfter: Sich als Gruppe einen Raum mit Karaokemaschiene mieten und Spaß haben. Es war grandios!
Die Nacht war das auch: Hanni, Jule, Lisa und ich haben zusammen auf 2 Matrazen geschlafen... beieinander is halt schöner, wir haben die JeonJuzeit vermisst! ;-)

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Die City hat uns wieder!

Wenig Schlaf später begann am Montag, den 22.09., der 5 Uhr- Frühgottedsienst, bei dem einige von uns ein paar Tage zuvor schon freiwillig Volkers Predigt lauschten. Diesmal waren wir wir in voller Stärke vertreten und ersetzten mit einer Menge spannender Zeugnisse die Pedigt und wahrscheinlich auch die Pause der Leute, die normalerweise zwischen Gottesdienst und Arbeit steht, wenn Zeit dafür bleibt. Kurz danach standen einige schwere Abschiede bevor, denn die Zeit in Jeon Ju hat zumindest zu einigen Leuten wie Yeun-Ok oder Kjung-Hun zu engerem Kontakt geführt. Auch unsere Gastfamilie war so toll, dass ich auf eine Einladung sofort versprochen habe, in den 6 Monaten noch einmal in Jeon-Ju zu Besuch zu kommen.

Sofern diverse tiefgründige Gespräche es zuließen, wurden die 3 Stunden Fahrtzeit zurück nach Seoul zum Schlafen genutzt. Auch eine sehr tolle Beschäftigung: Bilder sortieren! Denn in dem Korail-Zug gab es Strom... ich war begeistert!

Unsere Seoulankunft stand ganz im Zeichen der Lotte... Lotteshop -cinema und -ria bieten hier in Seoul nämlich alles. Einkaufen, Kino, Fastfood und was man sich sonst noch denken kann kann man hier bei Lotte erhalten. Sogar Wohnungen. Wir haben mit nem Mittagessen bei ihr begonnen.

Nach nem Postbesuch (benauso chaotisch wie alles andere hier, find ich) gings mit U-Bahn zur Yoido Full Gospel Church, von wo aus ein Bus für alle startete, die wie wir zum Mountain Prayer wollen. Unser Ziel ist der Ort, an dem der Begründer der koreanischen Erweckung seine Vison von Gott erhielt. Seitdem ist das ein Pilgerort für viele Christen, die kommen, um zu beten, oder Heilung zu empfangen. Der Bus war voll und man wurde den ganzen Weg mit koreanischen Andachten beschallt... interessante Erfahrung.

Noch interessanter waren aber die Gebetszellen, für die wir Schlüssel bekamen. Das sind viele kleine Boxen nebeneinander, in die man sich in Ruhe zum Beten verziehen kann. Eine Viertelstunde lang habe ich das ausprobiert und dann beschlossen, dass ich mich nicht einzusperren brauch, um mit dem zu reden, der mir die Freiheit seiner Schöpfung geschenkt hat. Im Vergleich durfte ich dann aber auch erkennen, warum Menschen solche Dinge erfinden: Draußen ist die Ablenkung um einiges größer! Ne Menge interessanter Sachen sind mir begegnet: Zungenrede, ein Mann, der mich angesprochen hat, Leute, die sich an Bergquellen zwischen Fasten und Beten die Zähne putzen, usw.

Auch eine große Halle, in der Leute lange Zeit vor dem Altar liegen und beten, um geheilt zu werden, und ein riesiger Freidhof sind Teil des Mountain Prayers.

Nachdem wir auf alles einen kurzen Blick geworfen hatten, ging schon unser Bus und neue Eindrücke, die noch verarbeitet werden mussten, blieben.

Der Abend wurde dann perfekt mit dem Besuch des Seoul Towers. Ein Fernsehturm, tausendmal höher als der Alex, da war ich bestimmt nicht zum letzten Mal! Zum Ende hatten wir draußend noch Lasershow mit Dampf zu Electrosounds... Open-Air-Disko, wie hammercool! (Auch für die Koreaner, die staunend neben uns Deutschen standen und sich höchstwahrscheinlich an schamanische Bräuche erinnert fühlten).

Auch die Nacht zu 12. in einer kleinen Wohnung war lustig, auch wenn wir alle schnell die Augen geschlossen haben.