read about...

Freitag, 31. Oktober 2008

"special price because you are pretty"

Langsam kann ich mir vorstellen wie sich ein schwarzes Schaf inmitten einer Herde weißer fühlen muss. Von der Haarfarbe her passender wäre allerdings eher ein weißes Schaf unter vielen schwarzen.
In jedem Fall falle ich auf: Egal ob in der U-Bahn, beim Shopping oder in der Gemeinde- ich sehe anders aus. Meine Augen haben mir bereits Vergleiche mit einem See und Barbie bzw anderen Puppen eingebracht.
Meine Auffälligkeit bringt auch durchaus Vorteile: Als ich am Mittwoch Schuhe gekauft habe, bekam ich sie mit dem Kommentar "special price because you are pretty"5.000 Won (ca 3€) billiger. Am Donnerstag wurde ich von einer Frau zum Lunch eingeladen, die mich mal spontan beim Warten auf die U-Bahn angesprochen hat. Durch sie habe ich dann ihren Tanzlehrer, einen preisgekrönten Latino-Paartänzer, kennengelernt und werde demnächst mal bei einer Stunde mitkommen.
In der U-Bahn selbst, in der ich mich ja des öfteren aufhalte, werde ich auch ab und zu angesprochen. Ein mal sogar angeschrieben: Eine junge Frau stand neben mir und hat englische Sätze auf einen Briefumschlag geschrieben, denn sie war besser in Schrift als in Spache ;-).
Aus all diesen Erlebnissen habe ich geschlossen, dass Koreaner einfach sehr ausländerfreundlich und weltoffen sind. Neulich allerdings traf ich einen Amerikaner, der schon 2 Jahre hier lebt und der meinte, Koreaner hätten die meisten Vorurteile gegen Ausländer überhaupt. Zu mir seien sie freundlich, weil ich westlich aussehe und sie etwas von mir wollen wie Sprache lernen oder Kontakt zur westlichen Welt bekommen. Er selbst hat ein hispanisches Aussehen und wies mich außerdem darauf hin, dass es kaum Afrikaner hier gibt. Tatsächlich habe ich noch nicht viele Menschen dunkler Hauptfarbe getroffen, dennoch kann ich aus der Erfahrung keine Ausländerfeindlichkeit oder ähnliches bestätigen und im Vergleich zu dem Rassismus, der in manchen deutschen Kreisen zu finden ist, halte ich Koreaner für sehr weltoffen.
In jedem Fall werde ich jemanden brauchen, der mich ,wenn ich zurück in Deutschland bin, daran erinnert, dass ich nicht mehr special bin und mir nicht mehr so viel zufallen wird. Gibts Freiwillige?

Mittwoch, 29. Oktober 2008

von früh bis spat.

Am Dienstag habe ich mich tasächlich um 4.30Uhr aus dem Bett gequält, um beim morning praise der Caleb Gemeinde dabei sein zu können! Diese Woche war ich sogar beinahe pünktlich und damit früher als die meisten und habe einige Worshipsongs, die Predigt und eine lange offene Gebetszeit auf Koreanisch miterleben dürfen. Dank englischer Bibeltexte hat mich das auch weitergebracht. Anschließend hatte ich beim ersten richtigen Kaffee dieses Tages ein sehr interessantes Gespräch über die Calebgemeinde und allgemein Christentum in Korea.
Als dann alle zur Arbeit mussten, habe ich mich dem Sprachstudium gewidmet und dazu spontan erst allein und dann mit Lehrer schöne Orte entdeckt.
Am Nachmittag und Abend habe ich ich mit zwei Freundinnen von Patmos Myeung-dong unsicher gemacht: Shoppingtour mit anschließendem italienisch (-koreanischem) Dinner und Kaffee. Am Ende waren wir alle drei ziemlich glücklich und die beiden wollen mich öfter sehen. Neben der ganzen Arbeit haben sie solche Aktionen glaube ich schon länger nicht gemacht und verbringen ihre wenige Freizeit zu Haus. An diesem Abend waren sie so glücklich... und ich habe mich sehr gefreut, dass ich nicht nur customer bin, sondern auch hier Menschen Gutes tun kann, einfach indem ich mir Zeit für sie nehme. Gott wirkt auch da durch Menschen, wo sie selbst nichts können könnten. =D

Montag, 27. Oktober 2008

Ich mag keine Ämter. Aber ich mag Geburtstage. Und Chun Sik und Soon Hee! ;-)

"Happy Birthday to you! Happy Birthday to you!"
Ratet, wer heute Geburtstag hatte! Patmos ist 3 Jahre alt geworden!
Das wurde in Skype-Verbindung mit den Büros in Australien und der USA mit einer langen Worshiptime am Morgen gefeiert, bei der jeder zu Wort kam. Auch ich durfte was sagen und, auch wenn ich nicht mehr über das Thema mitbekommen habe als "감사함니다" (Danke) in den Sätzen meiner Vorredner, kamen meine 2 englischen Sätze sehr gut an ;-).
Ansonsten habe ich heute neben der Arbeit einiges über Jugendslang in Korea gelernt und konnte zweien der jüngeren Mitarbeiter in Echt-Sprache mitteilen, dass sie schmuck sind ;-) und Komplimente an die Mädels verteilen.
Der unerfreuliche Teil des Tages war der erneute Besuch das immigration office, denn obwohl Chun Sik seiner Meinung tatsächlich kräftig Ausdruck verleihen konnte, bin ich noch immer nicht offiziell für die ganzen 6 Monate in Korea erwünscht. Doch auch das wird sich mit Gottes Hilfe bald klären, immerhin weiß ich, was ich zu tun habe.

Leider blieb nach diesem Ärgerniss nicht mehr viel Zeit für die Geplante Wanderung im nahen Berg-Park und so blieb es bei einem kurzen Bergaufstieg in der Dämmerung bis man kaum noch sehen konnte, wohin man lief, und dem Anschauen eines traditionell koreanischen Marktes.
Die Gebetszeit mit dem Pastorenehepaar war aber auf jeden Fall noch sehr schön bevor ich mich auf U-Bahn-weg einmal durch ganz Seoul gemacht habe.

Zwischen Zungenrede und Shoppingtour

Mein Sonntag gestaltete sich diese Woche wieder sehr vielfältig.
Zum Gottesdienst ging es diesmal zum ersten Mal ohne deutsche Gruppe wieder in die Calebgemeinde von Sindorim, die wir ja nach Deutschland eingeladen haben. Erstaunlicherweise scheint diese Einladung gar nicht so große Bedeutung für die Gemeinde zu haben, denn kaum jemand wusste davon oder konnte sich erinnern. Das kann aber auch sicherlich am Zeitpunkt des Gottesdienstes liegen, den wir als Gruppe besucht hatten. Zum koreanischen Neujahresfest waren nämlich beide Teile der sonst geteilten Caleb-Gemeinde (Sindorim im Kino und Sinsae im Nightclub) in einem Raum zusammengekommen, da viele bei ihren Familien auf dem Land waren.
Aber auch der Gottesdienst dieses Sonntages war nicht so voll wie koreanisches Verhältnisse es mich gewohnt werden ließen, jedenfalls am Anfang. Pünktlichkeit scheint dort nicht groß geschrieben zu werden.
Trotz allem durfte ich einen schönen Gottesdienst mit beeindruckendem Lobpreis, einer Predigt, die ich nicht verstanden habe, und einer Taufe erleben. Ja -freudig überrascht wurde ich Zeugin einer koreanischen Taufe, die gar nicht so anders ist als deutsche, nur nicht so formal.
Hinterher konnte ich bei der Kleingruppe einer Freundin dabei sein, die für mich extra auf Englisch verlagert wurde und daher entsprechend länger dauerte. Die vermehrte Zeit lag allerding nicht nur an der Sprache, sondern auch an meinen viele Fragen, denn diese 3 Menschen, mit denen ich meine Gedanken teilte, waren höchst spannend. Am Ende sind wir wieder bei einem meiner Derzeitigen Lieblingsfragen angekommen: Die Zungenrede. Das erscheint mir mittlerweile immer unabgespacter.
Trotz der interessanten Antworten, habe ich die Smallgroup nach 1 Stunde verlassen, um mich mit Chun Sik und Soon Hee zu treffen. Es war sehr sehr schön die beiden wieder mal in ihrer Wohnung zu besuchen. Eines der Ergebnisse könnt ihr hier anschauen: http://cafe.daum.net/gnademission/5bcm/42.
Meine anschließende Shoppingtour mit Soon Hee ist zwar in dem Versuch gescheitert einen Mantel für mich zu finden, war aber trotzdem sehr schön.
Dieses Jahr sind Mäntel mit Dreiviertelärmeln modern und wenn eine Jacke offen an mir besser aussah als zugeknöpft, meinten die Verkäuferinnen: Offen lassen. -Haben koreanische Frauen andere Gene als ich? Frieren sie nicht mit kurzen Ärmeln und offenen Jacken bei -10°C??

Samstag, 25. Oktober 2008

Vom organisierten Chaos

Diesen Samstag war Familiensamstag. Mit meiner Gastfamilie habe ich vereinbart, dass wir an 2 Samstagen pro Monat etwas zusammen machen. So war für den heutigen Tag ein Ausflug zu den 3 Autostunden entfernten Bergen mit wunderschöner Herbstlandschaft geplant.
Dachte ich. Als ich gestern abend jedoch nach Hause kam, erfuhr ich, dass die Gasteltern doch noch einen Termin haben und mein Gastbruder und ich zuerst zusammen zu Costco, einem amerikanischen Großmarkt, fahren und sich der Ausflug zu einem landschaftlich ebenso reizvollen Berg in der Nähe Seouls anschließt.
Nach dem Aufstehen wurde der Plan dann aufs neue geändert, denn kurz vor dem Losfahren bemerkten wir, dass bei oben genanntem Großmarkt eine Mitgliedskarte von Nöten ist, die sich zwar im Besitz der Familie befindet, aber höchstwahrscheinlich schon abgelaufen ist. Ich glaube, an dieser Stelle beschloss ich, nicht mehr mitzudenken, sondern einfach abzuwarten, wohin man mich bringt.
So konnte ich mich doch noch eines freien Morgens erfreuen. Zur Mittagszeit gab es zu Hause gemeinsam-getrennten Lunch (meine Gastfamilie hat Fleisch gegessen und ich -Überraschung- Weißbrot) und danach sind wir ins Auto gestiegen, wo wir einige interessant-komplizierte Gespräche hatten. Interessant, weil ich Gespräche mit meiner Gastmutter schätze und weil sie mir Aufschluss über einige ihrer Gedanken über mich und meine Pläne gegeben haben, und kompliziert, weil Sprachbarrieren das ganze unnötig in die Länge getrieben haben.
Als wir aber an dem Berg, auf dem wir spazieren gehen wollten, erreichten, regnete es gerade. Ich habe echt Pech, dass es gerade in diesen Tagen so viel regnet, normalerwiese ist es außerhalb der Regenzeit im Sommer nicht so nass.
Es musste also ein neuer Plan her: Also ab ins Auto und zum Costco!

Dort sind wir dann mit Rieseneinkaufswagen durch die Regale gesaust und haben vergeblich nach Nutella oder entsprechenden Ersatzstoffen gesucht, hatten aber die Freude links und rechts immer mal zu probieren. Von dänischen Keksen über Katusmilch bis zu koreanischer Suppe war alles zu testen... Das war nett. Hat etwas geschmeckt sind mein Gastbruder und ich einfach eine Runde um ein Regal gelaufen und haben ein weiteres Stück "probiert" =D. An der Kasse stellte sich dann heraus, dass die Mitgliedskarte tatsächlich abgelaufen war und so musste eine Mitarbeiterin eine schnelle Lösung schaffen und die Familie wurde kurzerhand neu angemeldet.
Auch die VISA-Karte meiner Gastmutter und meinereiner waren ein Problem, denn die akzeptierten sie nicht. Da natürlich auch keiner so viel Bargeld hatte, musste der Vater schnell zum nächsten Geldautomaten laufen. Als wir dann den Markt verlassen wollten, wurden Waren und Bon gegengeprüft und einer unserer beiden Bons war nicht aufzufinden. Joshua holte Cola, der Vater schaute sich eine Etage höher um und die Mutter rannte los, um die beiden zu suchen, nachdem sie festgestellt hatte, das sie in beiden Taschen ein Handy, ihr Mann aber keines hat. Da stand ich nun mit einem großen Einkaufswagen im koreanischen Gewimmel- und beobachtete.
Im Endeffekt sind wir doch noch einigen Käse reicher und massig Geld ärmer wieder ins Auto gestiegen, um den Weg zum Berg zurück zu nehmen. Dort sind wir ungefähr 200 m vorangekommen bevor der nächste Regenguss auf uns hereinbrach und als ich den Donner hörte, war ich doch ganz froh, dass es nun wieder nach Hause ging. Einige schöne Fotos konnte ich trotzdem machen. Ich finde die Bäume sind hier bunter als in Deutschland:

Freitag, 24. Oktober 2008

Kein Patmostag

...ist einfach nur ein Patmostag.
An diesem Freitag habe ich ein Ehepaar kennengelernt, das seit drei Tagen zu meinen Kollegen zählt. Sie wollen ihr Englisch verbessern und haben dementsprechend viel von sich erzählt, waren aber auch an mir interessiert, was eine gute Mischung ausmacht. Die beiden sind total lieb und open-minded und ziemlich unkoreanisch. Sie mögen den korean style of beeing busy genausowenig wie ich und haben schon 10 Monate in Neu Seeland gelebt. Patmos ist allerdings nur eine Zwischenstation in ihrem Lebenslauf, Ziel ist im Moment eine Missionarsschule auf Hawaii.
Wenn Neue kommen, gehen auch Alte und so haben wir heute 3 Mitarbeiter tränenreich verabschiedet. Es war sehr bewegend dabei zu sein, als für sie gebetet und gesungen wurde.
Danach habe ich einen neuen Versuch gestartet, mich mit warmen Klamotten auszustatten, denn ich friere schon bei 10° am Abend. Im Winter gibts hier bis zu -10°. Ich glaube, da kann ich das Haus nicht verlassen -Patmos hin oder her-, ich würde eh nicht angkommen, weil es sich im eingefrorenen Zustand so schlecht läuft.
Da es sich aber allein und mit Laptop auf dem Rücken so schlecht shoppt, blieb es beim Anschauen der COEX-Mall und einem Dinner bei Meces. Letzteres werd ich aber wohl nicht wiederholen, denn ich bin deutschen Standart gewöhnt. Gibt aber noch genügend interessante Alternativen ;-).

Jump to the Heaven!

Am Donnerstag machte ich mich nach erneut erfolgreich absolvierter Koreanisch- und gegebener Deutschstunde in einem neuen Starbucks (Wow, wenn wir das jedesmal woanders machen, habe ich vielleicht doch die Chance wenigstens ein hundertstel aller Coffee Shops Seouls zu besuchen!) auf den Weg zu einer neuen Entdeckung: Diesmal ging es dazu in die Yoido Full Gospel Church (Genau, die größte Gemeinde Koreas). Mit Hilfe einer wunderbaren Telefonnummer, mit der man Menschen erreicht, die kostenlos alle möglichen Auskünfte über Seoul geben, habe ich einen direkten Bus gefunden und mit Hilfe meines Gehörs bin ich sogar richtig ausgestiegen. Von der Haltestelle aus folgte ich von Zweifeln hin- und hergeworfen einer schwachen Erinnerung an einen vor der deutschen Gruppe herlaufenden Sang Hun und landete schließlich tasächlich am weißen Kreuz, das seine wegweisende Funktion für mich nicht ganz erfüllt hat, denn ich habe es erst gesehn als ich da war. Nächste Hürde: Finde den "Gottesdienstraum Paulus", von dem die schlaue Gela natürlich keinen englischen oder koreanischen Namen rausgesucht hat. Ich war ohnehin schon wieder viel zu spät für den Abendworship, den ich zu erreichen suchte. Als ich allerdings ins Haupthaus trat, um dieses Foto zu machen: ,führte mich mein Weg in etwas viel besseres als einen üblichen Abendworship: Ich betrat den Raum
und es war laut.
Es war auch bunt.
Und es war voller Kinder!

Meine erste Verwirrung überwindend, warf ich einen Blick auf den Flyer in meiner Hand, der am Eingang von einer Frau im Hanbok ebendorthin gedrückt worden war, und fand heraus, dass ich einem Programm namens "Jump to the Heaven" beiwohnte. Nachdem ich mir einen Platz zwischen vielen Menschen mit bunten krachmachenden Dingen gesucht hatte, passierten viele Dinge gleichzeitig: Ich lernte einige Mittelschulmädels kennen, die sich freuten, an mir ihr Englisch auszuprobieren und das Programm auf der Bühne ging weiter. Es gab Tanz zu recht kirchenferner Musik, eine Sängerin, die bei den Teens besonders gut ankam, Lobpreis, Theater und Co. Das absolute Highlight dieses Abends war aber sicherlich der Auftritt von Rev. Yonggi Cho, dem Begründer der koreanischen Erweckung und der Full Gospel Church. Ich hatte das Privileg ihn, seine kurze Predigt und den Personenkult um ihn hautnah mitzuerleben.

Zum Ende hätte ich gern ein Lob für den Rückweg: Ganz alleine habe ich mir den garantiert besten -wenn auch nicht unbedingt kürzesten- Weg mit Bus und u-Bahn nach Hause gebastlet. Ja, seit kurzem traue ich mich auch in Busse und habe mich trotz wenig Englisch auf den Plänen noch nicht verfahren. Ich fange an mich in Seoul recht gut zu orientieren. Ich wohn ja schließlich hier, ne? ;-)

Dancing Queen, Super Trouper, ...

... Mamma Mia!

Voller Aufregung erwartet kam am Mittwoch abend mein erster koreanischer Kinobesuch. Das tolle daran: Amerikanische Filme werden nicht übersetzt, sondern nur mit Untertiteln versehen, sodass ich sogar etwas verstanden habe... und -ja- ich habe alles verstanden. Nach einigen Minuten des Hinterherstolperns, war mir jedes Wort familiar. Fein. =D... Jetzt brauch ich eigentlich nur noch die alten ABBA-Alben ;-).

Vor das Vergnügen war aber natürlich die Arbeit gesetzt: Zum ersten Mal bin ich als "teacher" in der Englischacademy meiner Gastmutter meinen Verpflichtungen nachgekommen, die darin bestehen eine gute Atmosphäre zu verbreiten und die Eltern zufrieden zu stellen. Das erreiche ich, indem ich mit süßen kleinen Grundschulkindern ein wenig englischen Smalltalk austausche. Erkenntnisse des Tages: Einige koreanische Kinder mögen kein scharfes Essen (Wie überleben sie hier?) und alle koreanischen Kinder müssen zu viel arbeiten (Es kann nicht gut sein, wenn ein Junge von 11 Jahren nur von 1-7am schläft und den Rest des Tages mit Lernen verbringt.).
Mit "Arbeit" meine ich aber auch den Berg von Wäsche zu waschen, der sich in einer Woche mal wieder bei mir angebahnt hat und zu hoffen, dass alles so aus der Monster-Waschmaschiene rauskommt, wie ich es reingetan habe.

Dienstag, 21. Oktober 2008

K-Pop, J-Pop, Praise, oh Lord! ...

... sind sie Namen der Wiedergabelisten des Vorbesitzers meines ipods, die mir nun die Wege versüßen.

Am Montag führten mich ebendiese zur Arbeit bei Patmos und unter gehörigem Kopfweh wieder zurück nach Hause, wo ich zum ersten Mal zu menschlichen Zeiten ins Bett gegangen bin. Langsam sollte ich auch anfangen meinen gesamten Biorythmus an Korea anzupassen, sonst streikt mein Körper irgendwann. Trotzdem habe ich noch eine interessante Bekanntschaft auf meinem Rückweg gemacht, für die ich sogar den ipod ausgemacht habe ;-). Ich wurde von einem sympathischen koreanischen Studenten angesprochen, der gleich, nachdem er aus der U-Bahn gestiegen ist, eine message mit dem Inhalt "Nice to meet you. Hope to see you soon. hahaha" schickte~ Na, ma sehn.

Appropos Schlaf und so, heute habe ich um 5.30Uhr das Haus verlassen und bin wegen Verlaufens doch gnadenlos zu spät zum Morgenworship der Calebgemeinde in einem CoffeShop gekommen (aber -hey- mir hat ja auch niemand exakt gesagt wo ich hin muss, eigentlich sollte man mir gratulieren, dass ichs überhaput gefunden habe!). Trotzdem waren da noch liebe Menschen, die mal wieder meinen Erfahrungshorizont und mein elektronisches Telefonbuch erweitert haben ;-).
Eine Koreanisch- und eine Deutschstunde später, war ich dann so müde, dass es zurück nach Haus gehen musste, wo ich mir mal zur Pause einen Film gegönnt habe: "Der Teufel trägt Prada", halb Englisch, halb Deutsch ;-).
Abends war ich noch ganz im Norden Seouls (Ja, genau, mein Wohnort ist südlich der großen Stadt...) mit einer in Deutschland aufgewachsenen Koreanerin, die ich aus dem Onnuri English Ministry kenne, verabredet und wir hatten eine sehr schöne Zeit in einem italienisch-korenischen Restaurant und einem total süßen traditionllen koreanischen Teehaus. Ich habe einen Shake mit Getreide drin getrunken... klingt komisch, schmeckt aber echt lecker.
Insofern ist der ipod wegen vieler langer Wege heute durchaus zum Einsatz gekommen.

Sonntag, 19. Oktober 2008

English @ Patmos, English @ Samil, English @ Onnuri

Trotz langsam wachsender Koreanischkenntnisse, läuft mein Leben hier sehr auf englischer Basis. Es ist aber auch kein schlechter Effekt, nach dem halben Jahr besser in der Weltsprache geworden zu sein.

Am Freitag hatte ich einen langen Arbeitstag bei Patmos, an dem ich viel übersetzt habe. Ich berichtige übrigens meine Angaben von vorher: Worshipzeit ist hier immer am Anfang und am Ende jeder Woche. Da meine Arbeitstage ja grade am Montag und Freitag liegen, passt das sehr schön und ich werd jeden Wochenanfang ab 8 und am Wochenende bis 18 Uhr da sein.Diese langen Arbeitstage nehm ich auf mich, denn es ist echt schön, dabei zu sein wie reflektiert wird und die Mitarbeiter Gebetsanliegen austauschen -auch wenn ich noch kein Wort verstehe.
Danach hab ich in der U-Bahn noch nen Pastor aus New York getroffen, der laut seiner eigenen Aussage "English, Korean and tongue language" spricht. Spannend, dem werd ich mal ne E-Mail schicken und weiterfragen ;-).

Samstag morgen habe ich *trallala* meinen ipod classic mit 80GB von nem Freund gebraucht gekauft! Danach gings zur SAMIL und mit Minhye und ihrem Team weiter zu einer Grundschule in der Nähe, um die Kinder und Eltern zum nachfolgenden Englischunterricht einzuladen, bei dem ich natürlich auch noch dabei war. Schon allein mein Gesicht war eine gute Werbung, schließlich sehe ich aus wie ein "native speaker". Das Konzept ist es, kirchenfremde Kinder und ihre Eltern mit kostenlosem Englischunterricht in das Gebäude der Gemeinde einzuladen und sie damit vertraut zu machen. Ein mal im Monat werden englische Bibelgeschichten erzählt.
Der Unterricht war sehr spannend und erinnerte mch ein wenig an vergangene KidsChurchs (zumindest von der Intensivität des Chaos her ;-)).
Am Abend habe ich übigens eine schlechte koreanische Soap gesehen... einfach nur, um was mit der Familie zu machen und ein wenig Koreanisch zu hören. Danach habe ich den Traum einer jeden Mutter, die nur einen Sohn hat, erfüllt: Ich habe die alten Klamotten meiner Gastmutter anprobiert und das, was halbwegs passte, geschenkt bekommen ;-).


Mein Sonntag war diesmal auch Englisch, denn ich war beim Onnuri English ministry (http://www.onnurienglish.org/). Von dem Jugendgottesdienst am Morgen hatte ich mir vorher viel versprochen, doch obwohl es genau die Lieder waren, die wir zu Haus auch singen und alles ganz nett war, wars doch eindeutig für Jüngere: Highschoolstudents, mit denen ich hinterher noch zum Lunch war. Das war recht anstrengend, denn wie Teenies nun mal so sind: Ich habe haufenweise Fragen gestellt und nur kurze Antworten bekommen. Beim nachfolgenden Spaziergang mit zwei Mädels -13 und 14- wars sehr nett und schön, sich mal um ein paar Tennie-Jungsprobleme kümmern zu dürfen. ;-). Die Schüler, die dort waren, waren größtenteils Kinder koreanischer oder gemischter Eltern, die mindestens die Hälfte ihres Lebens in den Staaten gelebt haben und aus irgendwelchen Gründen zurückgekommen sind.
Im afternoon service für adults hat es mir sehr gut gefallen, da war ich bestimmt nicht zum letzten mal. Thema: Frauen in der Gemeinde, basierend auf den steilen Aussagen von Paulus in 1.Tim 2, 8-15. Sehr sehr spannend!
Bei der Gelegenheit habe ich auch einen Pfarrer aus Deutschland kennengelernt, der hier schon seit 2 Jahren lebt und arbeitet.
Insgesamt gab es an diesem Tag aber nicht so viel "Hello, wonderful that you are here. Where are you from?". Wahrscheinlich sind die einfach zu sehr an Ausländer gewöhnt, da fall ich gar nicht auf. Trotzdem hab ich ein wenig die koreanisch-offen-freundliche Art vermisst.
Übrigens hab ich am Abend strawberry jam, cream cheese, brie cheese und ordentliches Brot gekauft. Klar, das is total teuer hier -aber es war echt mal nötig. Lecker! Mein Gastbruder war auch begeistert!

Samstag, 18. Oktober 2008

Weitere 2 Wochen sind vergangen!

...Und da ist es natürlich Zeit für neue Fotos:
6.10.-18.10.

Das Neuste bei mir...

...ist, dass es langsam aber sicher gar nicht mehr so viel Neues gibt. Man stelle sich vor, ich gewöhne mich langsam an das alles hier, die Bundangline ist mittlerweile "meine U-Bahn" und an einigen vergangen Tagen ist meine Subwaymap sogar in der Tasche geblieben, denn ich kenn mich schon ganz gut aus.
Es kündigt sich sogar so etwas wie ein Wochenablauf an. Normalerweise würde man es Alltag nennen, aber den Namen verdient mein Plan noch nicht. ;-) Find ich gut, denn 6 Monate sind eindeutig zu kurz für Routine.
Dennoch steht in meinem Kopf Folgendes fest:
Montag gehts zu Patmos, wo trotz überfülltem Büro an diesem Tag ein Schreibtisch für mich frei ist. Um 8 Uhr geht es hier immer mit dem Wochenbeginnworship los. Ich darf zwar kommen, wann ich will, aber das ist eigentlich zu schön, als dass ich dafür nicht um 6.30Uhr das Haus verlassen würde.
Dienstag lerne ich Koreanisch von Kjong Ho, einem Freund aus der Calebgemeinde. Habe schon eifrig Vortschritte gemacht und lese jetzt auf der Straße alle möglichen Schilder, die ich trotzdem nicht versteh, aber immerhin aussprechen kann.
Mittwochs ist Ausschlaf-, Wäschewasch-, Aufräum, Liegengebliebenearbeittu- und Durchatemtag. Zwischendurch bin ich 1 1/2 Stunden in der Englischacademy meiner Gastmama, um mich mit den Kindern über topics zu unterhalten, die ich festlege, um mit ihnen das Gelernte anzuwenden.
Donnerstags bin ich dann an der Reihe mit Lehren: Kjong Ho (mein Koreanischlehrer) will nämlich Deutsch lernen und bisher habe ich mich als Lehrerin gar nicht so schlecht angestellt ;-).
Freitags ist wieder Patmosday und endet wahrscheinlich immer gegen 18Uhr mit dem Wochenabschlussworship. Es gibt Freitags oft Abendgottesdienste in den Gemeinden, die aber sehr spät sind. Mal sehen ob ich meine Gastfamilie überzeugen kann mich dort hinzulassen.
Samstage sind sehr gefragt, denn alle die, die eine Arbeit haben, können mich nur an diesem Tag treffen, den Arbeit heißt hier von 7 bis 19Uhr jeden Tag.
Und -na klar- über Sonntage habe ich mich ja schon ausgelassen: So viele Gottesdienste wie möglich!
In diesen Wochenplan soll noch rein: Gasthören und ne Sportgruppe an der Dangguk University, eine Worshiptanzgruppe und ein Internationaler Hauskreis. Mal sehen, was mir noch so über den Weg läuft ;-).
Und wenn trotz dem allem noch freie Zeit sein sollte, ist mien Handy ja nicht umsonst voller Nummern von lieben Menschen und Seoul voll von Plätzen, die von mir entdeckt werden wollen.
Also, ich bin gut beschäftigt ;-).
Ihr sicher auch, ich hoffe, es ist nicht zu hart für euch, euch durch meinen langen Sprach- und Lebensdjungel zu schlagen.
Alles Liebe von eurer fast-Seoul-Bewohnerin

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Hi Seoul - Soul auf Asia

Heute erfahrt ihr etwas über...
Koreanisches Alter
Hier funktioniert die Alterszählung nämlich etwas anders als im Rest der Welt. Wenn ein Kind geboren wird, ist das sein 1. Geburtstag, es ist also 1 Jahr alt. Das ist ja noch durchaus verständlich, doch jetzt wirds spannend: Man wird nicht an seinem Geburtstag sondern am Ende des Jahres, zwischen 31. Dezember und 1. Januar, ein Jahr älter. Den Tag seiner Geburt feiert man trotzdem.
Ich habe bereits angefangen zu erzählen ich sei 19 (na toll, und wofür habe ich das koreanische Wort für 18 gelernt?) und rechne bei den anderen immer ein Jahr zurück.
Wer aufgepasst hat und rechnen kann, weiß jetzt, dass, wenn er mich im März oder irgendwann danach wiedersieht, einer 20-jährigen gegenübersteht =D.
Trotzdem werde ich schon immer sehr erstaunt angeschaut, wenn ich sage, ich sei 19. Man hält mich hier für 22-24. Meine Aussage, koreanische Frauen sähen jünger aus als sie sind, kommt gut als Kompliment, ist aber auch durchaus ernst gemeint. So treffen wir uns dann irgendwann in der Mitte und es ist kein Problem mit einer 28jährigen befreundet zu sein.

yeah, noch ne Handynummer!

Seit ich das hübsche kleine CYON-Aufschiebhandy, das ich als deutsche Nokianormalobesitzerin für ziemlich chick halte, für Koreaner aber eher unterer Durchschnitt ist, mein eigen nennen darf, klappt Networking noch ein bisschen besser, auch wenn es recht schwer ist in der U-Bahn zwischen Menschenmassen stehend in einer fremden Sprache zu telefonieren. Mails schreiben die meisten Koreaner aber nicht, ne message (von viel zu wenig Zeichen) ist schnell getippt, aber nicht so schnell gedeutet... Mit "R U THER" und Co komm ich mittlerweile schon ganz gut klar.

Jetzt sammle ich jedenfalls kräftig Handynummern und mache Fotos dazu, ansonsten könnte es bald passieren, dass ich die ganzen koreanischen Namen keinen Gesichtern mehr zuordnen kann.

Gestern sind mir mal wieder Kontakte praktisch zugefallen. Ich bin morgens wie jeden Tag zur JukJeon-Subwaystation gelaufen und wurde einfach so von 2 Studenten -ein Mädchen und ein Junge- der nahen Uni angesprochen, die total lieb und erst 21 Jahre alt sind. Da sind sie ja, die jungen Menschen, für deren Treffen ich gebetet habe. Über Handy hab ich mich grad für morgen abend mit ihnen verabredet. Jap, ich freu mich!
Mein Tag ging bei Patmos dann auch gleich wundervoll weiter. Wenn ich dort reinkomme, strahlen mir nur liebe Gesichter entgegen, die mich alle überschwenglich begrüßen. Judy hat mir schon erzählt, dass sie, wenn ich ein paar Tage nicht da war, immer gefragt wird, wann ich denn mal wieder komme. =D Zum Lunch war ich diesmal mit 4 jungen Frauen aus dem Verlag, es war sehr nett und ich habe wahrscheinlich zum ersten Mal etwas koreanisches gegessen, von dem ich sagen würde, dass ich es gerne wieder essen will(!): Reis mit Gemüse und hausgemachter Currysoße. Hinterher war ich total voll, habe aber zwischendurch erzählt, mein Lieblingsessen sei Eis und so haben auf dem Rückweg zur Arbeit bei HägenDaas Halt gemacht! Ich fass es nicht, war DAS gut!
Nach nem langen Arbeitstag mit Plakatfalten, Paketpacken (das hat mich doch sehr an das Verschicken des Adventsbriefes mit Larsi im CVJM LV erinnert!) und Übersetzen, ist mir auf dem Rückweg ein "Reformhaus" aufgefallen. Ehrlich, genau das geliche Schild wie im AlleeCenter auch =). Sie hatten noch nicht geöffnet, aber es war jemand drin: Eine Deutsch-Koreanerin, mit der ich doch mal so ganz spontan -na was wohl- Handynummern ausgetauscht hab! Toll =D.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Sprachcocktail


Gestern hatte ich die Ehre an einem Abend einen Blick in verschiedene Worshipleader-Konferenzen zu werfen. Hier treffen sich die Worshipleiter der Umgebung jede Woche, nehmen an einer Art weiterbildung teil und tanken bei Lobpreis und Gebet füreinander auf. Dort habe ich auch an einer koreanischen Lobpreiszeit teilnehmen dürfen, aus der ich den einsten Sprachcocktail gemacht habe, denn während die anderen koreanisch gesungen haben, bin ich in den Liedern "Open the eyes/ Herr, öffne du mir die Augen" und "Come, now is the time/ Komm, jetzt ist die Zeit" zwishcen Deutsch und Englisch hin- und hergehüpft, je nachdem wie ich grad mochte und wie es zur Länge der koreanischen Worte gepasst hat. Dazu hatte ich auch genügend Zeit, denn Koreaner sind noch schlimmer als die deutschen Kirchen was das Wiederholen von Liedzeilen angeht. "Zum Verinnerlichen" wurde mir erklärt und das klappt auch, bald kann ich einige Lieder auf Koreanisch mitsingen =). Zwischendurch war ich mit Judy, meiner Freundin von Patmos, zum Dinner japanischer Art:

An dem Abend durfte ich auch eine Menge interessanter Dinge über Koreas Geschichte und Beziehung zu Ländern wie Japan erfahren. Wegen japanischer Eroberungsversuche ist Korea dem Nachbarland gegenüber eher feindlich eingestellt und das hat sich in den Köpfen der Menschen einfach festgesetzt. Judy bedauert, dass sie diese Einstellung auch bei sich weiderfindet.
Die koreanische Trennung ist übrigens verglichen mit der deutschen komplett anders, denn der Schnitt scheint recht "sauber" zu sein. Es gibt keinerlei Chance zur Kommunikation in den nördlichen Teil, nicht mal illegaler Weise. Es bestehen keine technischen Möglichkeiten dazu. Eine Wiedervereinigung ist nicht in naher Sicht, denn Nordkorea will diese nur als kommunistisches Land und das führt dazu, dass Südkorea eine Vereinigung nicht anstrebt. Wenn sie doch irgendwann da sein sollte, wird es sehr schwer werden, denn die Völker der beiden Länder haben kaum noch Gemeinsamkeiten. Ich stelle mir das vor, als würde man Deutschland und Österreich vereinigen, nur weil sie früher zum gleichen Reich gehörten und eine ähnliche Sprache sprechen. Südkoreaner sollen das Koreanisch des Nordens teilweise nicht mehr verstehen, sagte Judy.
Später habe ich 3 CDs mit koreanischer und chinesischer Musik geschenkt bekommen =). Leider haben sich an diesem Abend keine weiteren Kontakte ergeben, obwohl auch Jugendleiter eine Konferenz hatten und ich gerne mit jedem von ihnen gesprochen hätte. Gleich nach Ende gingen aber alle nach Haus und ich fands dann doch ein wenig blöd jemanden von ihnen aufzuhalten mit etwas wie "Sorry, but I would like to get to know you because you are in my age and you are a church leader like me, I would like to meet you!". Das kommt nicht so gut bei koreanischer Schüchternheit.

Der Sprachcocktail wurde übrigens heute kräftig weitergerührt, denn ich habe begonnen mit einem Freund aus der Caleb-Gemeinde namens Kjong-Ho oder Joshua Koreanisch zu lernen. In return I'll teach him German. Und das Ganze trifft sich auf Englisch, denn wenn Kjong-Ho nicht hier ist, studiert er grad Medizin in der USA und würd sehr gerne mal in Deutschland leben, wie er das früher schon einige Monate in München ausprobiert hat.

Montag, 13. Oktober 2008

Die Welt ist klein!

Vielleicht ist Seoul aber auch bloß groß?!
Meinen 5. Sonntag in Korea habe ich so verbracht:
Nach ca 4 Stunden Schlaf gings mit meinem Gastbruder Joshua in die Seoul University zum Internationalen Gottesdienst. Die Predigt habe ich nun auch endlich mal verstanden, denn sie war englisch! Vielleicht war das aber auch nicht so gut, denn jetzt weiß ich, dass ich koreanische Predigten nicht mag ;-). Der Pfarrer hat sich hauptsächlich die ganze Zeit wiederholt und mein Gastbruder war erstaunt, dass ich das nicht mag. Trotzdem war es wunderbar dort zu sein, denn ich habe so viele liebe Menschen kennengelernt! Ganz spontan haben wir uns entschieden beim Lunch und bei einer Schiffstour über den Hangang mit der Gemeinde dabeizusein. Ich habe jetzt also neue Bekanntschaften aus China, Japan, Guatemala, Dänemark, Norwegen, Polen, Jordaneien, Algerien und irgendwo aus Afrika. Mindestens die Mädels aus China, Japan und Guatemala werd ich jeden Fall wiedersehen. Ich habe sogar schon 2 Worte Chinesisch gelernt! =)

Danach habe ich mich auf ganz koreanische Art und Weise per Handy (jaaa, ich habe endlich ein "handphone" ;-)) mit meiner Freundin aus der SAMIL-Gemeinde verabredet und war mit ihr und 2 Freunden zum Dinner in einem typisch koreanischen Restaurant mit Tischgrill und zum Abendgottesdienst.

Damit kann ich jetzt glaub ich behaupten, wirklich hier angekommen zu sein. Schließlich war das der 3. Tag hintereinander, an dem ich die letzte U-Bahn nach Hause genommen habe (ja, auch hier fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr ab 12pm... schlimmer als zu Haus.). Meine Gastfamilie beginnt sich schon zu beschweren und so werd ich heute abend den Hausblockbeamten auf Koreanisch zum Türöffnen bemühen müssen, denn nach der Worshipleaderkonferenz, zu der ich verabredet bin, werd ich auch erst gegen 11pm da sein.

"Greater Things have yet become and greater things are still to be done in this city!"

Den Abend des Freitags, dem 10.10., und den ganzen Samstag, 11.10., habe ich in der Olympic Hall Seouls verbracht, wo das Passion Festival stattfand. Das ist ein Programm für Studenten und Menschen in deren Alter, das in allen großen Städten dieser Welt Halt macht. Vor Seoul war das Team aus Amerika mit Unterstützung von überall schon in LA, Vancouver, Sao Paulo, Paris, London und so weiter. Nächste Station ist Tokyo. Deutschland war nicht Gastgeber und in Europa waren die wenigsten Teilehmer da... Das ist doch echt mal bedenkenswert. Dabei hat mir vor kurzem noch eine Asiatin erzählt, Gott habe unser Land sehr gesegnet, was zwar vor allem auf blaue Augen bezogen war, aber trotzdem zum Weiterdenken anregt: Uns gehts so gut in Europa. Gott hat uns so viel geschenkt, warum also sind grade wir es, die ihr Vertrauen immer wenigern auf den Einen setzten? Wir sind sehr stolz auf das, was wir haben, obwohl es gar nicht unser ist, sondern von Gott geschenkt, vielleicht sollte man das den Menschen mal sagen (und selber verinnerlichen.)
Das Festival an sich war auf jeden Fall sehr schön und aufbauend. Mit Chris Tomlin, Matt Redman und der David Crowder Band war auf jeden Fall für die richtige Musik gesorgt und ein Pastor aus LA hatte sehr spannende Gedanken zum Thema Gnade zu teilen. Das Ganze hat mein Zeitgefühl total durcheinandergeschmissen, denn das Programm bestand aus 4 Veranstaltungen: Freitag abend, Samstag morgen, mittag und abend. Jedes davon erschien mir wie ein ganzer Abend, denn ich kenne ähnliches bisher nur abends und die Halle hatte auch keine Fenster, um mir das Gegenteil zu beweisen. Zwischendurch musste die Halle immer komplett geräumt werden und somit ging das Anstehen um die besten Plätze jedesmal aufs Neue los. ;-) Übrigens hatte ich bis jetzt Revier makieren und das Beste für sich beanspruchen für deutsch gehalten... aber es war hier um einiges schlimmer, denn alle guten Plätze waren innerhalb der ersten 5 Minuten reserviert und wurden hart verteidigt. Die Gestaltung der Zeiten zwischen den einzelnen Programmteilen war frei, am Freitag bin ich für die Nacht natürlich nach Haus und am Samstag war ich mit den Leuten aus der Caleb-Gemeinde, mit denen ich zusammen dort war, gut beschäftigt. Sehr beeindruckend fand ich, dass die vorhergehende Stadt immer für die nächste betet und spendet. Auf der Rückseite des Festival-Armbands ist der Name der nächsten Stadt aufgedruckt und nun tragen alle Teilnehmer Seouls das Band falschrum und beten, immer wenn sie es sehen, für Tokyo. Die Menschen in Vancouver haben sich sogar noch einmal getroffen als das Programm bei uns begann und haben für uns gebetet.
Was ich auch wunderbar fand: Sie haben die gleichen IKEA-Dekotücher als Tischdecken wie wir z.B. bei der LMAK oder in Halberstadt. ;-) Da fühlt man sich doch gleich zu Hause. Und wenn Matt Redman dann auch noch die gleichen Lieder wie beim Christival spielt und der ganze Saal "Blessed be" singt, ist es hier gar nicht so anders, sondern eher besser als zu Haus!
Das Video hat zwar ne miese Qualität, aber vielleicht bringt es ein wenig die Stimmung rüber, die herrschte, hier grad bei der David Crowder Band.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Hi Seoul - Soul of Asia

Dies ist die neue Rubrik für alles Spannende, Kuriose, Interessante und einfach Andere an der koreanischen Kultur.
Ich weiß gar nicht wo vorn und hinten ist dabei, doch ich würde euch gern mit hinennehmen.

Heute erklärt euch die Gela...
...Koreanische Namen
Das ist natürlich immer das erste, was in jedem Gespräch ausgetauscht wird: Die Namen. Leider ist es auch das erste, was ich wieder vergessen habe, denn sie sind so kompliziert.
Zuerst wird immer der Nachname genannt. Das ist entweder Kim, Lee oder Ham. Ich habe bisher wenige Koreaner getroffen, die anders heißen. Wenn es dann um einen Kimbuxamin geht (ein Pfarrer namens Kim) frage ich mich immer um welchen der 10 Pastoren diesen Namens, die ich schon kennengelernt habe, oder um welchen der 100tausend weiteren es grade geht und wie die anderen das unterscheiden können.
Dann folgt der Name, der meist aus mehreren Wörtern zusammengesetzt ist. Das spannende ist, dass jeder koreanische Name eine Bedeutung hat. Ich habe schon Weisheit, silberner Stern, die die erfolgreich sein wird und viele andere getroffen. Für meinen Namen haben einige Koreaner übrigens die Bedeutung "Engel" festgelegt ;-).
Da aber nicht nur ich, sondern viele Menschen der westlichen Welt Probleme damit haben sich koreanische Vornamen zu merken, legen sich die meisten einen englsichen Namen zu: z.B. David, Candy, Tiffany, Isaac, Judy, Christin... Meine Gastmutter hat sich mir bei meinem ersten Besuch als Cindy vorgestellt. Als ich wieder zurück war und sie so ansprach, verkündete sie mir, sie habe ihren Namen geändert und hieße jetzt Anne... Ich glaube, ich werd mir noch nen koreanischen Namen ausdenken, den können sie dann wenigstens richtig aussprechen... Gela (=Kila) finden die meisten aber süß. ;-)

Block 101...

... ist die Nummer meines Wohnblocks in JukJeon und der neue Name meines Reports.

Der erste Post direkt aus dem Büro von Patmos

Hallo liebe Leser, ich habe jetzt einen eigenen Schreibtisch bei Patmos! *freufreu*
Heute ist mein erster offizieller Arbeitstag und ich bin sehr gespannt, was daraus wird.
Jeder Tag beginnt hier mit einem Lied, einer kurzen Andacht und einem Gebet im ganzen Team. Danach hat jeder ein wenig Zeit für persönliche Bibellese und anschließend teilen sich alle in Kleingruppen auf, um über die Bibelstelle zu sprechen und zu beten. So kann man auch geistlich frisch gestärkt in die Arbeit starten. Ich bin begeistert!
Letzte Nacht habe ich bei Judy geschlafen, die hier bei Patmos meine Ansprechpartnerin ist, das war sehr schön, sie ist super! Ziemlich geschockt war sie aber, als sie hörte, dass ich weder Gesichtscreme, noch Nachtcreme oder Make-Up verwende. Gleich musste sie mir einige Proben schenken und wird mir helfen eine richtige Gesichtscreme zu kaufen, schließlich soll ich im Alter keine Falten haben... Ob das das Geheimnis der koreanischen Jugend ist -schließlich sehen hier alle jünger aus als sie sind- und ich dachte, das läge an den Genen?! ;-)

Montag, 6. Oktober 2008

Fotos

Mehr Fotos aus meinem neuen Leben als hier könnt ihr dort sehen:
2 Wochen Korea mit der CVJM-Gruppe

25.9.-5.10.

Für mehr Sonntage in einer Woche!

Warum leb ich eigentlich gefühlt schon so lang hier und hatte bis jetzt nur 2 Sonntage, seit ich allein hier bin?
Ich wär mal dafür, dass mehr Sonntage pro Woche eingeführt werden, schließlich kann ich (zumindest im Moment noch) mein Hauptziel hier, nämlich Gemeinden zu sehen, nur an diesem Tag vorantreiben.

Das ist auch der Grund, weshalb ich heut von 8.30 am bis 11.30pm nach koreanisch-weiblicher Art und Weise auf hohen Schuhen in ganz Seoul unterwegs war. Ich dachte, ich geh mal einen weiteren Schritt in Richtung koreanisches Leben und trag wie alle anderen Frauen hier 5 cm Absatz. Im Endeffekt führte das zu der Erkenntnis, dass ich mich lieber denjenigen Mädels auf flachen Schuhen anschließe, die dir viel mehr ins Auge fallen, wenn du selbst hoch aufragend durch die Gegend schlenderst.

Ich war also in der Knight-Caleb Gemeinde, die Gottesdienste in einem koreanischen Nachtclub feiert (Der Name ist genial- das reinste Wortspiel! "Ritter des Glaubens im Nachtclub" sozusagen...) und danach noch in der Samilgemeinde, in der wir ja als ganze deutsche Gruppe schon waren. In beiden Gemeinden hab ich Menschen (wieder-)getroffen, die ich bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen habe!
Ach ja, und noch eine tolle Sache: Nächste Woche nehme ich mit einer Gruppe aus der Caleb-Jugendgemeinde an einem englischen Festival mit dem Namen "Passion" teil. Nachzulesen ist das hier: http://www.268generation.com/worldtour/high.html. Es kommen Chris TomlinFrancis, ChanDavid Crowder*Band, Louie Giglio und Matt Redman, sowie viele Menschen aus der Caleb, die ich alle kennenlernen will. Ich freu mich ja so!

Sonntag, 5. Oktober 2008

Konkuk University

Da am Freitag, den 3.10. passenderweise auch hier Feiertag war -die Gründung der Republik Korea jährte sich zum was-weiß-ich-wie-vielten Mal-, plante meine Gastfamily von Donnerstag bis Freitag einen Ausflug zu der Uni, an der meine Gesteltern studiert haben und an der sie einen Professor kennen, der gleichzeitig Pastor einer Studentengemeinde ist (Diese Kombination ist hier keine Seltenheit... Koreaner kombinieren alles... Proffesur und Pfarramt, Management und Kirchenleitung, Marmelade und Schinken, Papierscheren und rohen Fisch usw.).

Eigentlich war die Rede von einem Musikfestival, aber wir waren leider zu spät dafür, sodass wir es verpasst haben, was auch häufiger mal passiert. Dafür haben wir noch einen halben Gottesdienst der Studentengemeinde mitgekriegt mit halber Predigt, Worshipband, christlicher HipHop-Band und einem Tanz. Von der Musik war ich gleich begeistert und hab mit den Studenten vor der Bühne rumgetanzt.

Später durfte ich dann sogar noch auf der Bühne weitertanzen, denn der Pastor beschloss ganz spontan mich der Gemeinde vorzuführen. Ich wurde also auf die Bühne geschoben und bekam ein Mikro in die Hand gedrückt ohne die Vorrede des Pastors verstanden zu haben. Schnell fühlte ich mich aber wohl in Englisch das Rampelicht zu nutzen, um einem halben Kinosaal voll Menschen den "dipdip"-Tanz beizubringen. Die Studenten waren begeistert und ich hab "Gjörmäniii" gut vertreten!

Bei dem anschließenden Essen und Erzählzeit hab ich mit Visitenkarten nur so um mich geschmissen und ne Menge Komplimente gesammelt... meine Augen kommen gut an ;-).

Ganz überraschend kam dann das beste des Tages: Ich habe nicht wie geplant in nem Motel mit meiner Gastfamily geschlafen, sondern war Gast in der 1 Zimmer-Studentenbude einer der Mädels, die ich kennengelernt habe. Dadurch habe ich die ultimative Chance gehabt endlich mal richtig Jugendkultur hier kennenzulernen, denn gegen 24Uhr haben wir uns noch mal mit allen jungen Leuten aus der Gemeinde getroffen, um gemeinsam mit dem Pfarrer (,der hier jeden Scheiß mitmacht, wenn er Zeit hat!) zu nem See in der Nähe zu fahren. Es war so schön dort! In dem Park rundherum gab es eine kleine Bühne und scheinbar ist es hier so üblich, dass jeder vorführt, was er kann... Jedenfalls wurde unter viel Gejohle getanzt, gesungen und rumgewitzt.

Ein kleiner Spaziergang und viele koreanische Worte später gings glücklich zurück und mit viel "Salsajo" ins Bett.

Am nächsten Tag ist ein Teil der Gruppe vom Vortag mit Pastor und Frau, meiner Gastfamily und mir zum ChunJu Martial Arts Festival gefahren, wo es viel zu sehen und probieren gab: Kampfsportmuseum und -aufführungen zu ganz verschiedener Musik aus aller Welt (auch Frankreich, Niederlande und Co, nur Deutschland nicht!), traditionelle Kleider und Speisen usw.

Mal wieder zu einem traditionellen Essen eingeladen zu werden, wie es danach passierte, und einem im nahegelegenen wunderschönen Park geplanten Programm zu folgen, erinnerte doch sehr an die 2 Wochen CVJM-Gruppen-Programm... Nur, dass ich diesmal das Gefühl hatte, dass es nicht den Deutschen vorgeführt wurde, sondern, dass ich wirklich Teil einer normalen Feiertagsbeschäftigung bin, das war sehr cool. Trotzdem schade, dass dann keiner da war, mit dem man das ganze für Deutschland reflektieren konnte.

"Welcome Party"

Jeden Tag entdecke ich mehr wie toll meine Gastfamilie ist! Es gibt so viel, was sie für mich tun und noch viel mehr, was ich gar nicht auf den ersten Blick seh!

An meinem ersten Abend hier gab es eine Worshipzeit, in der für mich gebetet wurde. An meinem zweiten Abend sollte es etwas geben, dass sie "Welcome Party" nannten: Ich durfte mir was zu essen wünschen, mein Gastbruder hat Klavier gespielt (Mozart und Beethoven -ich war begeistert!) und sie haben "happy entering that house" zur Melodie von "Happy birthday" gesungen... ich hab sogar 3 Kerzen ausgeblasen ;-).

Sie wollen dazu beitragen, dass mein Aufenthalt hier gut ist, was sich am Anfang in elterlicher Besorgnis und nach einem klärenden Gespräch in Kontaktevermitteln und Sachenzeigen äußerte.

Heute waren wir bei einem Feuerwerk... RIESIG! Halb Seoul plus noch mal so viele Touristen müssen die Ufer des Hangang bevölkert haben und mehrere 100Mil Won wurden in die Luft geschossen!
Dazu gabs nach koreanischer Kultur ein Haufen gutes Zeug zu essen, das man Decke an Decke -schlimmer als an jedem Mittelmeerstrand- mit seinen Lieben genießt.

Samstag, 4. Oktober 2008

Patmos

Ich habe die Ehre verkünden zu dürfen, dass ich eine Aufgabe in dem Verlag für christliche Kinder- und Jugendprogramme habe. In meiner Zeit hier darf ich mich um Material für den Schritt nach Europa kümmern: Ich werde 3 englische Kinderprogramme ins Deutsche übertragen und mich um das Erstellen eines deutschen Flyers über Patmos kümmern, der bis jetzt nur in Koreanisch existiert.
Dabei bin ich völlig frei: Ich kann über meinen Laptop arbeiten wo ich will und es besteht noch keine Zeitvorstellung. Dennoch will ich vor allem in der ersten Zeit zum Arbeiten im Verlagsgebäude sein, um Fragen zu stellen. Außerdem ist das Team so klasse, dass ich ihre Gmeinschaft nicht missen will, schließlich fängt meine Arbeitszeit mit einem gemeinsamen Abend mit allen Mitarbeitern an. Besonders eine -Judy- ist superlieb zu mir, hat mich zu sich eingeladen und will mir wirklich helfen, sie ist super!
Ich bin Gott echt dankbar, dass es jetzt so gekommen ist, schließlich scheint es genau das zu sein, was ich wollte, und entspricht meinen Begabungen. Nur zum Singen der deutschen Lieder muss ich mir noch jemanden suchen, doch auch das ist nicht unbewältigbar, ich hab da schon ein paar Ideen! ;-)

Freitag, 3. Oktober 2008

Die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Korea

Am Freitag, den 26.9., ereilte mich eine Überraschung (was keine Seltenheit ist hier!): Die Klavierlehrerin meines Gastbruders hat 10 Jahre lang in Frankfurth Musik studiert und spricht perfekt Deutsch!Sie ist superlieb und hat sich gefreut mich kennenzulernen. Gleich für Sonntag haben wir uns dann verabredet:

Sie hat mir die deutsche Gemeinde in Seoul gezeigt (zu finden hier: http://www.egds-korea.blogspot.com/). Nach einer knappen Stunde ökumenisch traditionellem Gottesdienst, habe ich mich gewundert, ob es jetzt ne Pause gibt und festgestellt, dass ich schon so an koreanische Gottesdienste gewöhnt bin, dass mir das Ende eindeutig zu schnell kam. Eine Stunde Lobpreiszeit finde ich mittlerweile genau richtig, wir sollten darüber nachdenken das auch bei uns einzuführen!

Danach gab es noch "Kirchenkaffee", in dem ich mich lange mit einem Mädchen deutscher Eltern unterhalten habe, die aber in Korea geboren und aufgewachsen ist. Anschließend habe ich mich ein wenig ins Getümmel gestürtzt, mit Visitenkarten nur so um mich geworfen und einige wertvolle Tips und Kontakte bekommen habe. Alle waren wunderbar freundlich und bemüht mir zu helfen, das war echt lieb!

Was mich begeistert hat: Keiner von den Menschen, die dort sind, ist entweder deutsch oder koreanisch, sondern höchst international. Die meisten Menschen, die im Ausland leben, wechseln das Land öfter mal, entweder aus beruflichen oder aus abenteuerlich privaten Gründen. So kam eine deutsche Familie aus Paris nach Seoul und der Mann konnte grad nicht da sein, denn er war in Boston usw. Das ist kein Einzellfall hier.

Was mich erstaunt hat: Als Deutscher kann man in Seoul komplett in einer eigenen Kultur bleiben. Es gibt die deutsche Schule, die deutsche Gemeinde, deutsche Läden... so kommt es vor, dass man nach einigen Jahren Leben dort trotzdem kein Koreanisch spricht oder sprechen muss.

Where I feel home...

Schnell fühlte es sich an, als sei ich schon ewig hier. Mein Zimmer hier bekommt langsam Bilder an die Wände und erhält meinen Touch schon allein durch die Unordunung, die seit dem Kofferauspacken am Freitag (26.9.) herrscht. Wo ich zu Haus bin, lass ich alles liegen! ;-)
Trotzdem red ich hier auch immer von meinem "home at Germany". Kann man eigentlich zwei Hometowns haben? Obwohl, eigentlich hab ich ja ein Homevillage und eine Hometown... wobei der Ort JukJeon, der eine Vorstadt Seouls ist und in dem ich lebe, bei Koreanern als Dorf bezeichnet wird (es ist größer als Magdeburg, würd ich sagen ;-)).

Trotzdem ist es wie in Wahlitz leben, wenn man eigentlich nach Seoul will: Mit der U-Bahn brauch ich 2 Stunden ins Zentrum... eine sehr lange Zeit, die waschechte Koreaner mit Schlafen überbrücken, was ich mich bei den 3 mal Hin- und Zurückfahren in der Rushhour noch nicht getraut habe. Aber das wird auch bald kommen, ich kenn den Weg schon gut. Übrigens macht es echt Spaß sich den Weg selbst zu suchen, viele Leute zu fragen und sich mal so richtig zu verlaufen, nur um irgendwann richtig froh zu sein das richtige Hochhaus mit der Nummer 101 zu sehen. Mist ist dann nur, wenn keiner Zu Hause ist, um aufzumachen und man erst den Sicherheitsangestellten auf Englisch einstellen muss, damit er die Tür öffnet ;-). Auf dem Bild sieht man in der Mitte das Haus, in dem ich lebe.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Das Geschenk

Pünktlich zum Abflug der anderen am Donnerstag, den 25.09., regnete es in Strömen und wurde kalt. Ein Abschied und einige Tränen später saß ich schon wieder mit Chun-Sik und Sang-Hun in der U-Bahn (beide bleiben noch eine Weile, auch Soon-Hee ist noch hier(zur Erklärung: das ist die koreanische Familie, die in Deutschland lebt und den Austausch ins Leben gerufen hat)). Da meine Gastfamilie glücklicherweise eine Stunde zu spät kam, konnte mir Sang noch einige Sachen über Seoul erklären und auf meiner U-Bahn-karte zeigen, die hier mein Ein und Alles ist. Wer dann kam, waren der Papa und die Oma, diejenigen der Familie, die zwar kaum Englisch sprechen, aber am liebsten und sympathischsten lächeln. Nach einer Stunde erzählen mit Chun-Sik und Soon-Hee, in der ich nicht wusste wohin mit mir, weil ich nichts verstanden habe, gings dann plötzlich los. Im Auto bin ich gleich eingeschlafen und nur zwischendurch aufgewacht, um mitzubekommen wie die Oma durchs Fenster im Stau von jemandem, der mitten auf der Fahrbahn Süßes verkaufte, warmes Gebäck mit roten Bohnen für mich besorgte. Das hat sogar gut geschmeckt.
Zu Haus kam die Überraschung: Meine Gastfamilie hat eine WAND für mich gebaut! Es ist toll! Sie haben gemerkt, dass ich Internet in meinem Zimmer brauche und beschlossen, das ich das Zimmer mit meinem Gastbruder tausche. Das allerdings war nur durch ein großes Regal vom Wohnzimmer getrennt und ich hatte schon ein wenig Angst um meine Privatsphäre, als sie mir ihre Idee mitteilten, aber so bin ich -wenn auch nicht schalldicht, denn es handelt sich um dünnes Holz- blicksicher geschützt. =) Dann musste der Dad wieder zur Arbeit und ich hatte erst mal alleine Zeit zum Ankommen und Schlafen. Abends haben wir noch alle Dinge rausgeräumt, die Joshua (meinem Gastbruder) gehören und jetzt habe ich ein Zimmer, in dem ich mich mittlerweile schon zu Hause fühle.
Noch ein wenig später, gab es einen "Familienworship" mit "Chang yang ha ra" (einem sehr populären Lobpreislied, das wir Deutschen auch gelernt haben), einer Bibelstelle auf Deutsch, Englisch und Koreanisch, einer Zeit für Zeugniserzählungen und Gebet. Letzteres war sehr bewegend für mich, denn der Dad dankte, dass ich hier bin und bat für meinen Aufenthalt.
Als mir schon fast die Augen zufielen, hab ich noch einmal Gastgeschenke verteilt, unter anderem ein Buch über Deutschland, in dem ich einiges gezeigt habe. Die Luthertasche hat Joshua am nächsten Tag mit in die Schule genommen und seine Frunde waren neidisch. Die Familie hat sich jedenfalls gefreut!
Gott hat mir wirklich den besten Start geschenkt, den ich hätte haben können!

Ich mag keine letzten Abende.

gMittwoch, der 24.09., teilte uns wieder in 2 Gruppen: Die einen durften bei koreanischer Sozialarbeit dabei sein und Essen austeilen, während wir anderen bei Patmos in den Genuss eines zweiten Vortages kamen und dabei wunderbare pinke und blaue T-Shirts geschenkt bekamen =).

Das Mittagessen wurde für beide Gruppen ein Festmahl, wobei jede an die jeweils andere dachte und bedauerte, dass sie es wahrscheinlich nicht so gut haben. Doch die Koreaner haben mal wieder für alle von uns voll liebe Einladungen gehabt.

Wiedergetroffen haben wir uns letztendlich nach der Besichtigung des Königspalastes, einer riesigen Anlage mitten in Seoul, in der es sich vor ewiger Zeit die Könige der alten Dynastien gut gehen ließen.
Damit alle möglichst das sehen können, was ihnen noch fehlt, gebs danach wieder ne Trennung: Entweder Touristengegend mit Andenken kaufen oder eine alternativere Shoppinggegend, wo vornehmlich Studenten sind.
Dort war ich in einer Bar, die an Kreativität wohl kaum zu übertreffen war, ich war absolut begeistert und bestimmt nicht zum letzten Mal dort! Alles war weiß und in einer Art Höhlen-Stil gehalten. Man saß mit Kissen auf dem Boden an Holzscheiben bei chilligen Elektrosounds. Licht und Stimmung- alles hat gepasst. Selbst das Klo war individuell, das Wasser zum Händewaschen z.B. kam aus einer langen Rutsche nach unten ins Becken, in dem schöne Steine lagen usw. Da würd ich so gern mit einigen Leuten hin, die jetzt aber nicht hier sind...
Zurück in der Wohnung hat mich durch Packen und Reflektionsrunde zum ersten Mal die Wahrheit eingeholt, dass es ab morgen erst richtig losgeht... aber dann allein. Seltsame Stimmung bei uns, die wir bei einem spontanen nächtlichen Honigmeloneneis gefeiert haben.

Enjoying Seoul...

Dienstag, der 23.09., begann gut: mit lange schlafen.

Gut gings auch weiter, wenn nicht sogar besser: Der Großteil der Gruppe ist zum Shoppen gefahren, während Jule, Anna, Tine und ich zum ersten Mal ohne koreanisch sprechende Begleitung aufgebrochen sind, um die KIAF (Korean International Art Fair) zu sehen. Galerien aus der ganzen Welt haben hier ihre Kunstwerke ausgestellt. Nach 4 Stunden hat mein Kopf zwar ganz schön gebrummt, doch ich habe eine Menge Eindrücke gesammlt. Zum Beispiel:





















Ein wenig Zeit, um für extrem billig tolle Klamotten zu kaufen, haben wir uns aber auch noch genommen, bevor sich die ganze Gruppe für einen Vortrag von Patmos wiedergetroffen hat. Das ist ein Wort, das ihr demnächst öfter lesen dürft, denn es ist ein Verlag, der Material für Kinder- & Jugendarbeit herstellt und bei dem ich in nächster Zeit mitarbeiten darf.

Am Abend haben wir uns noch besonders koreanischen Spaß gehabt: Wir waren in einer Karaokebar! Das macht man hier öfter: Sich als Gruppe einen Raum mit Karaokemaschiene mieten und Spaß haben. Es war grandios!
Die Nacht war das auch: Hanni, Jule, Lisa und ich haben zusammen auf 2 Matrazen geschlafen... beieinander is halt schöner, wir haben die JeonJuzeit vermisst! ;-)

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Die City hat uns wieder!

Wenig Schlaf später begann am Montag, den 22.09., der 5 Uhr- Frühgottedsienst, bei dem einige von uns ein paar Tage zuvor schon freiwillig Volkers Predigt lauschten. Diesmal waren wir wir in voller Stärke vertreten und ersetzten mit einer Menge spannender Zeugnisse die Pedigt und wahrscheinlich auch die Pause der Leute, die normalerweise zwischen Gottesdienst und Arbeit steht, wenn Zeit dafür bleibt. Kurz danach standen einige schwere Abschiede bevor, denn die Zeit in Jeon Ju hat zumindest zu einigen Leuten wie Yeun-Ok oder Kjung-Hun zu engerem Kontakt geführt. Auch unsere Gastfamilie war so toll, dass ich auf eine Einladung sofort versprochen habe, in den 6 Monaten noch einmal in Jeon-Ju zu Besuch zu kommen.

Sofern diverse tiefgründige Gespräche es zuließen, wurden die 3 Stunden Fahrtzeit zurück nach Seoul zum Schlafen genutzt. Auch eine sehr tolle Beschäftigung: Bilder sortieren! Denn in dem Korail-Zug gab es Strom... ich war begeistert!

Unsere Seoulankunft stand ganz im Zeichen der Lotte... Lotteshop -cinema und -ria bieten hier in Seoul nämlich alles. Einkaufen, Kino, Fastfood und was man sich sonst noch denken kann kann man hier bei Lotte erhalten. Sogar Wohnungen. Wir haben mit nem Mittagessen bei ihr begonnen.

Nach nem Postbesuch (benauso chaotisch wie alles andere hier, find ich) gings mit U-Bahn zur Yoido Full Gospel Church, von wo aus ein Bus für alle startete, die wie wir zum Mountain Prayer wollen. Unser Ziel ist der Ort, an dem der Begründer der koreanischen Erweckung seine Vison von Gott erhielt. Seitdem ist das ein Pilgerort für viele Christen, die kommen, um zu beten, oder Heilung zu empfangen. Der Bus war voll und man wurde den ganzen Weg mit koreanischen Andachten beschallt... interessante Erfahrung.

Noch interessanter waren aber die Gebetszellen, für die wir Schlüssel bekamen. Das sind viele kleine Boxen nebeneinander, in die man sich in Ruhe zum Beten verziehen kann. Eine Viertelstunde lang habe ich das ausprobiert und dann beschlossen, dass ich mich nicht einzusperren brauch, um mit dem zu reden, der mir die Freiheit seiner Schöpfung geschenkt hat. Im Vergleich durfte ich dann aber auch erkennen, warum Menschen solche Dinge erfinden: Draußen ist die Ablenkung um einiges größer! Ne Menge interessanter Sachen sind mir begegnet: Zungenrede, ein Mann, der mich angesprochen hat, Leute, die sich an Bergquellen zwischen Fasten und Beten die Zähne putzen, usw.

Auch eine große Halle, in der Leute lange Zeit vor dem Altar liegen und beten, um geheilt zu werden, und ein riesiger Freidhof sind Teil des Mountain Prayers.

Nachdem wir auf alles einen kurzen Blick geworfen hatten, ging schon unser Bus und neue Eindrücke, die noch verarbeitet werden mussten, blieben.

Der Abend wurde dann perfekt mit dem Besuch des Seoul Towers. Ein Fernsehturm, tausendmal höher als der Alex, da war ich bestimmt nicht zum letzten Mal! Zum Ende hatten wir draußend noch Lasershow mit Dampf zu Electrosounds... Open-Air-Disko, wie hammercool! (Auch für die Koreaner, die staunend neben uns Deutschen standen und sich höchstwahrscheinlich an schamanische Bräuche erinnert fühlten).

Auch die Nacht zu 12. in einer kleinen Wohnung war lustig, auch wenn wir alle schnell die Augen geschlossen haben.